zur Navigation springen

Grüne allein auf dem Weg nach Westen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Umweltpartei präsentiert alternative Trasse der A 20 über Brunsbüttel: Krasse Ablehnung bei CDU und FDP, auch Koalitionspartner SPD und SSW winken ab

Die Grünen allein zu Haus. Auf ihrem „Weg nach Westen“ will niemand mitgehen. Die Wirtschaft im Lande nicht, die Opposition nicht – selbst von den Koalitionspartnern kommt (erwartungsgemäß) ein klares Nein.

Geht es nach den Grünen, dann endet die A 20 endgültig an der A 7. Ein seit Jahrzehnten geplanter Elbtunnel bei Glückstadt, der auch die Metropole Hamburg entlasten soll, wäre damit ein für alle Mal beerdigt.

Allerdings sieht auch Parteichefin Ruth Kastner „Bedarf für eine Ertüchtigung der Ost-Westverbindung“. Die soll dann von der A 7 aus über ausgebaute Bundesstraßen Richtung Itzehoe nach Brunsbüttel führen. Von dort aus durch einen Tunnel unter der Elbe nach Cuxhaven. Oder auch per Fähre, die in dem Plan der Grünen als „Teil der Problemlösung“ eingestuft wird.

Billiger, umweltfreundlicher und schneller sei ein solches Projekt zu realisieren, ist Kastner überzeugt. Schließlich wäre der Weiterbau der A 20 südlich der Elbe nach Bremerhaven damit obsolet. Der Verkehr würde über die bestehende A 27 nach Süden geführt. Mit den so eingesparten Kosten blieben trotz des teureren Tunnels bei Brunsbüttel unterm Strich Einsparungen von 500 Millionen Euro.

„Infrastrukturfrieden“ wollten die Grünen, beteuerte Kastner. Ein Paradigmenwechsel in der Verkehrspolitik sei nötig, assistierte die Grüne Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms. „Die begrenzt zur Verfügung stehenden Mittel müssten dringend für den Erhalt der vorhandenen Verkehrswege eingesetzt werden.“

Kastners Wunsch, es möge doch von ihren Ideen auch bei Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) „einiges hängen bleiben“, war freilich keine zwei Stunden nach dem Grünen-Auftritt in der Parteizentrale geplatzt. Höflich lobt Meyer noch, dass sich der Koalitionspartner Gedanken mache, wie es westlich der A 7 weitergehen solle mit der A 20. „Ganz wichtig“ sei das, klug die Überlegung, bestehende Trassen zu nutzen, säuselte der Minister, um im selben Atemzug klar zu machen: „Das würde uns bei allen Planungen um Jahre zurückwerfen.“ Es gebe einen Plan, der habe „eindeutige Priorität“, und der führt bei Glückstadt unter die Elbe.

Kaum anders SSW-Frontmann Lars Harms, der die Überlegungen der Grünen fast wortgleich mit CDU-Chef Reimer Böge vom Tisch wischte. Die Pläne seien den Menschen weder vermittelbar noch zumutbar.“ Ein Tunnel bei Brunsbüttel sei nicht nur um 200 Millionen Euro teurer als der von den Grünen stets auch wegen hoher Kosten ablehnte Tunnel bei Glückstadt; schon das ergebe wenig Sinn. Mit einer Fährverbindung wäre „das nächste Nadelöhr schon vorprogrammiert“.

Eine Stunde wären solche Schiffe unterwegs über die Elbe nach Cuxhaven, glauben die Grünen. Wenn Sturm herrscht, könnte es auch länger dauern oder die Fähren liegen einfach still.

Böge und der Verkehrsexperte der CDU-Landtagsfraktion, Hans-Jörn Arp, stießen ins selbe Horn, sprachen von einem „vergifteten Angebot“. „Der Grüne Weg“ solle doch nur wieder „ein Projekt mit allen Mitteln verzögern und verteuern, um es zum Scheitern zu bringen“, wetterte Arp.

Kaum anders die FDP. Deren Verkehrspolitiker Christopher Vogt warf den Grünen Scheinheiligkeit vor. „Die Grünen haben den A-20-Weiterbau viele Jahre erst politisch, dann juristisch nach Kräften blockiert, verzögert und verteuert und beklagen nun, dass die A 20 nicht vorangekommen ist.“ „In die Sackgasse“ führten die Pläne.

Ganz falsch liegt Vogt damit nicht. Unvergessen bei der Nord-SPD ist der einstige Umweltminister Rainer Steenblock von den Grünen. Der hatte sich in den 90er-Jahren nach einem Kabinettsbeschluss für die A 20 in seinen Dienstwagen gesetzt, um am Nachmittag desselben Tages an der Seite von Gegnern des Projekts im Raum Pinneberg zu demonstrieren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen