Kreis Plön : Großübung Massenkarambolage – 450 Beteiligte proben Ernstfall

Chaos und Verletzte: Die Rettungsübung im Kreis Plön stellte alle Helfer vor eine schwere Aufgabe.
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Chaos und Verletzte: Die Rettungsübung im Kreis Plön stellte alle Helfer vor eine schwere Aufgabe.

Gestapelte Autos, Pyrotechnik und Schminke wie im Horrorfilm: Bei einer simulierten Massenkarambolage trainierten Rettungskräfte im Kreis Plön für den Ernstfall.

shz.de von
22. Juni 2014, 17:34 Uhr

Stein | Der Bus stand quer, die Autos auf-, in- und untereinander einige wurden sogar in und unter den Bus geschoben. Mit Pyrotechnik unterstützt brannte, explodierte und qualmte es an verschiedenen Stellen. Bei einer Großübung im Kreis Plön waren am Sonnabend 450 Beteiligte im Einsatz. Zwischen Lutterbek und Stein simulierte der Rettungsdienst aus dem Kreis Plön eine Massenkarambolage. Die Auszubildenden sollten die Möglichkeit erhalten, unter fast realen Gegebenheiten ihre Einsätze zu üben. Neben der Behandlung der Verletzten sollten sie auch die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Berufsgruppen trainieren.

Das dafür aufgebaute Übungsszenario übertraf viele Erwartungen. 20 Pkws und ein Bus wurden auf etwa 100 Meter Strecke auf der Verbindungsstraße zwischen Lutterbek und Stein im Kreis Plön so gestellt und gestapelt, dass eine Massenkarambolage simuliert wurde. Zahlreiche Insassen spielten dabei Verletzte und Eingeklemmte, vier spielten Tote.

Gegen 13.30 Uhr wurden die ersten Kräfte alarmiert und die zuerst eintreffende Feuerwehr hatte die schwierige Aufgabe, den Unfallort auf die Anzahl von Verletzten und Pkw abzusuchen. Nach einer ersten Lagemeldung war auch der Rettungsdienst vor Ort und unterstützte. Die Aufgabenverteilung ist klar geordnet: Die Kameraden der Feuerwehr befreien etwa 90 Personen aus den Autos und dem Bus, löschen die brennenden Fahrzeuge und sammeln die Patienten an einem abgesprochenen Sammelpunkt. Dort werden sie noch von ihnen betreut, bis der Rettungsdienst sie übernehmen kann.

Je zwei Auszubildende und ein Ausbilder kümmern sich dann um einen Verletzten. In einem extra aufgebauten Zelt werden alle Verletzten aufgenommen, wenn möglich, transportbereit gemacht und dann mit dem RTW ins ebenfalls simulierte Krankenhaus gefahren.

Als wären diese Aufgaben nicht schon schwer genug, werden die Rettenden immer wieder von Beteiligten den Unfalls, meist unter Schock oder in Panik stehende Leichtverletzte, aufgehalten und abgelenkt. Mit Sätzen wie „Jetzt helft mir doch endlich!“ oder „Warum ist hier keiner, meiner Frau geht es schlecht!“ bis hin zu „Hilfe, da hinten stirbt gerade jemand, glaube ich!“ müssen sie sich auseinander setzten, darauf reagieren und sich selbst vor tätlichen Angriffen schützen.

„In Panik geratenen Menschen verändern sich um 180 Grad und wissen oft selbst nicht mehr was sie tun“, berichtet ein Rettungsassistent. Oft überschneiden sich auch die Bereiche, beispielsweise bei Patienten, die mit schwersten Verletzungen aus Autos herausgeschnitten werden müssen und hierbei schon von Notärzten oder dem Rettungsdienst betreut werden.

Nach etwa zwei Stunden waren alle Beteiligten aus den Autos befreit, einige schon ins Krankenhaus gebracht, als der Spezialgast aus der Luft kam. Denn auch die Bundespolizei nahm an der Übung teil und flog mit einem Hubschrauber die „Schwerverletzten“ aus. Ziel hierbei war es, zu testen, wie viele Personen gleichzeitig transportiert werden können. Sie nahmen drei „Schwerverletzte“ und fünf „leicht verletzte“ Personen mit.

Insgesamt waren 70 Einsatzfahrzeuge und 450 Beteiligte vor Ort. Die 90 Verletzten wurden von Schülerinnen und Schülern der Krankenpflegeschule der Universitätsklinik Kiel, der Krankenpflegeschule des Friedrich-Ebert-Krankenhauses Neumünster und der Krankenpflegeschule der Sanakliniken Eutin dargestellt. Sie wurden detailgetreu von einem Schminkteam geschminkt. Austretende Hirnmasse oder Gedärme, offener Thorax, Brand-, Schnitt- und Prellverletzungen sahen täuschend echt aus. Viel Kunstblut erhöhte den Druck auf die Einsatzkräfte zusätzlich. Diese Detailgenauigkeit, die im gesamten Szenario wiederzufinden war, beeindruckte auch die anwesende Landrätin Stephanie Ladwig.

Bei einem abschließenden Nachgespräch in der Sporthalle Wendtorf mit allen Mitwirkenden, die aus ganz Schleswig-Holstein und Hamburg angereist waren, wurde ein sehr positives Resultat gezogen. Alle Einsatzkräfte haben gut zusammen gearbeitet, konnten viel lernen und erleben und unbekannte Situationen realitätsnah üben. Der Übungsleiter Bodo Voges bekam viel Lob und Applaus und so wird es in zwei Jahren wieder eine große Übung geben, die für alle Beteiligten Erfahrung, Erlebnis und Übung zu gleich ist.

Insgesamt waren die Feuerwehren Probsteierhagen, Laboe, Lutterbek, Neu-Heikendorf, Prasdorf, Barsbek, Stein, Wendtorf, Schönkirchen, Schönberg und Brodersdorf mit insgesamt 26 Fahrzeugen, das  Technische Hilfswerk OV Preetz, Technisches Hilfswerk LV Kiel, der Rettungsdienst  Kreis Plön, Kreis Ostholstein, Rettungsdienst RKiSH, Kreis Stormarn, Kreis Segeberg, Kreis Schleswig, Malteser Hamburg, Johanniter Hamburg, ASB Hamburg, GARD Hamburg, DRK Lübeck, Herzogtum Lauenburg und Berufsfeuerwehr Neumünster mit insgesamt 31 Fahrzeugen und drei NEF‘s, die Bundespolizei Schleswig-Holstein mit einem Helikopter, der Katastrophenschutz Kreis Plön, das Kriseninterventionstaem Kreis Plön, die 3ten SanGruppe ASB Schönkirchen, die TEL Kreis Plön, ein OrGL und ein Leitender Notarzt vor Ort.
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