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Bischofswahl in Schleswig : Gothart Magaard zum neuen Bischof gewählt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach einem langem Probelauf steht Gothart Magaard für die nächsten zehn Jahre auch formell an der Spitze des Sprengels Schleswig und Holstein. Die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) hat Bischofsvertreter Gothart Magaard am Freitagabend zum neuen Bischof gewählt.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2014 | 22:33 Uhr

Schleswig | Gothart Magaard ist für die kommenden zehn Jahre Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein. Das entschied die Synode der Nordkirche am Abend im Schleswiger St. Petri-Dom mit der Mehrheit von 88 zu 54 Stimmen.

Damit bekleidet der 58-Jährige nun auch offiziell das Amt, das er de facto schon seit Herbst 2009  ausfüllt. Damals hatte   der frühere Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich Magaard die Aufgaben im Sprengel vertretungsweise übertragen. So konnte sich Ulrich von Kiel aus auf die Gründung der Nordkirche konzentrieren, die Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern umfasst. Nachdem Ulrich im letzten Sommer als  oberster Bischof der Nordkirche nach Schwerin gewechselt ist, musste der rund 1000 Jahre alte Bischofsstuhl an der Schlei auch formell neu besetzt werden.

Obwohl Magaard als Gesicht der Kirche bekannt und vielfach geschätzt ist, entpuppte sich die Wahl als alles andere als ein Selbstgänger. Der Platzhirsch  hatte nur 16 Stimmen Vorsprung. Mit Elfriede Knotte, seit 1995 Pröpstin der Landeskirche Braunschweig mit Dienstsitz in Bad Gandersheim, traf Magaard auf eine für manche  unerwartet starke Herausforderin.  Sie offenbarte, dass sie selbst überrascht gewesen sei, als ihr der Wahlausschuss der Nordkirche eine Kandidatur antrug. In ihrer 20-minütigen, mit fast frenetischem Applaus quittierten Bewerbungsrede  hatte Knotte jedoch schnell deutlich gemacht, dass hier mehr als eine Zählkandidatin vor dem Kirchenparlament stand. Die 57-Jährige empfahl sich als jemand, der sich trotz Leitungserfahrung  die Perspektive der Basis bewahrt habe. Für Begeisterung sorgte sie mit einem Gedanken, der ihr beim Anblick des Schleswiger Doms und dessen  Spiegelbilds auf der Oberfläche der Schlei durch den Kopf geht. Der  zweite Turm auf dem Wasser symbolisiere  für sie die Wurzel der Kirche. Der  wirkliche Turm an Land stehe für die Ausstrahlung der kirchlichen Verantwortung in die Welt.  Beides zusammenzuhalten, mache die bischöfliche Aufgabe aus. Knotte betonte, sie lege Wert darauf, „persönlich zu predigen“.  Denn nur eine Predigt, die persönlich ankomme, könne Zugänge zum Glauben und Beheimatung in der Kirche vermitteln.

Magaard schöpfte in seiner Bewerbungsrede stärker aus der Erfahrung diverser Führungspositionen. Die setzt  bei der Direktion  des Predigerseminars in Preetz an, geht weiter über die Leitung des Personaldezernats im Nordelbischen Kirchenamt in Kiel, bevor sie sich 2009 mit der Übernahme der bischöflichen Aufgaben fortsetzt. Magaard betonte seine schleswig-holsteinische Herkunft, bekannte, „dass bereits eine Wattwanderung eine spirituelle Erfahrung sein kann“.  Wie  die Kirche im ländlichen Raum  ihre Angebote aufrechterhält  und der Umgang mit der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich sind Beispiele für inhaltliche Schwerpunkte, die Magaard nannte. Auch gelte es, neue Ausdrucksformen für den Glauben zu finden in Zeiten, in denen weniger gesungen und gebetet werde. Wie die Kirche  mit weniger umbautem Raum auskomme, sei eine weitere Zukunftsfrage.

Synoden-Präsident Andreas Tietze hatte eingangs beiden Bewerbern bescheinigt, „eine geerdete wie weltoffene Theologie zu vertreten“. Wichtig sei dem Wahlausschuss bei der Kür der Bewerber gewesen, dass sie „eine hohe integrative Kraft haben und nahe bei den Menschen sind.“

„Ich freue mich auf den Weg, der vor uns liegt“, sagte Magaard unmittelbar nach seiner Wahl. Gegenüber Journalisten setzte er wenig später hinzu: Die Synode habe sich schwergetan, aber sie habe sich entschieden. Er sei „etwas überwältigt“. Als einen ersten Schritt als Bischof kündigte Magaard ein gesellschaftliches Bündnis gegen Kinderarmut an.

Dr. Andreas Tietze, Präses der Landessynode, gratulierte Gothart Magaard zu seinem neuen Amt. „Mit Gothart Magaard gewinnen die Menschen im nördlichsten Sprengel der Landeskirche einen erfahrenen, besonnenen und engagierten Bischof. Mit viel Einsatz, Bescheidenheit, Feinsinn und Humor hat er bereits seinen Dienst als Bischofsvertreter erfüllt und ist den Menschen im Sprengel Schleswig und Holstein im Laufe der vergangenen Jahre längst zum Bischof geworden. Wir freuen uns mit ihm und seiner Familie und wünschen ihm für seinen Dienst als Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein Gottes reichen Segen!“

Gleichzeitig dankte Präses Tietze der Kandidatin Pröpstin Elfriede Knotte: „Unser besonderer Dank gilt Pröpstin Elfriede Knotte. Sie hat die nicht einfache Herausforderung angenommen, gegen einen geschätzten und bekannten Kandidaten anzutreten. Wir haben eine lebenserfahrene, besonnene und charismatische Bewerberin erlebt und wünschen ihr Gottes Segen für ihren weiteren Dienst als Pröpstin in Bad Gandersheim.“

Landesbischof Gerhard Ulrich, Vorgänger Magaards im Amt des Bischofs im Sprengel Schleswig und Holstein, gratulierte dem zukünftigen Bischof ebenfalls. Er sagte: „Ich freue mich, dass die Landessynode Gothart Magaard zum Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein gewählt hat. Er wird das Bischofsamt mit Klarheit und geistlicher Bestimmtheit ausüben. Er kennt den Sprengel und weiß, wo bischöfliche Leitung gefragt ist in den ländlichen Räumen und in den Städten, sowie in Zusammenarbeit mit unseren dänischen Nachbarn. Ich wünsche Gothart Magaard Gottes reichen Segen.“

Ministerpräsident Torsten Albig hat dem designierten Bischof für den Sprengel Schleswig und Holstein, Gothart Magaard, zur Wahl gratuliert. „Ich bin mir sicher, dass wir weiterhin eng und vertrauensvoll zum Wohle unseres Landes zusammenarbeiten werden“, sagte Albig zur Wahlentscheidung der Landessynode der Nordkirche in Schleswig.

„Die Synode hat in Bischof Magaard einen Kandidaten, gewählt, der schon als Bischofsvertreter viel für den Sprengel getan hat. Ich freue mich sehr für ihn und für alle in Schleswig-Holstein, dass er dieses Amt nun auch als gewählter Bischof ausfüllen kann“, so Torsten Albig. Magaard trage mit seinem großen Engagement für die deutsch-dänische Kirchenfreundschaft auch dazu bei, dass Schleswig-Holstein und Dänemark enger zusammenrücken.

Mit über einer Million evangelisch-lutherischer Christen in 365 Gemeinden ist der Sprengel Schleswig und Holstein der mitgliederstärkste der Nordkirche. Die heutige Wahl war nötig geworden, weil Vorgänger Gerhard Ulrich seit dem vergangenen Jahr Landesbischof der Nordkirche mit Dienstsitz in Schwerin ist.

Der 58-jährige Gothart Magaard wurde in Flensburg geboren und studierte Theologie an der Kirchlichen Hochschule und an der Freien Universität (West-) Berlin sowie an der Universität Hamburg. Nach dem zweiten Examen wurde er 1986 an der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis ordiniert. Gothart Magaard arbeitete anschließend als Pastor in Hamburg-Jenfeld, ab 1989 als theologischer Referent im Nordelbischen Kirchenamt (Kiel). Zwischen 1991 und 2005 war er am Prediger- und Studienseminar Preetz tätig, zunächst als Studienleiter, später als Direktor. Ab 2005 leitete Magaard das Personaldezernat des Nordelbischen Kirchenamtes. Im Oktober 2009 übertrug ihm die Kirchenleitung im Auftrag der Synode die bischöflichen Aufgaben im Sprengel Schleswig und Holstein, da der gewählte Bischof Gerhard Ulrich als Vorsitzender der Kirchenleitung zentrale Aufgaben im Fusionsprozess zur Nordkirche übernommen hatte. Gothart Magaard ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder.

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