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Glückliches Ende nach 14 Monaten Ungewissheit

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erstellt am 22.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Fockbek | Der monatelang in China festgehaltene Nils Jennrich aus Fockbek bei Rendsburg ist wieder in Deutschland. Am Abend landete er mit seiner Verlobten Jenny Dam in Hamburg. Gegen ihn wird seit Ende März 2012 wegen Beihilfe zum Zollbetrug in China ermittelt. Jennrichs Rückkehr nach Deutschland erfolgte nur wenige Tage vor dem Besuch des neuen chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang in Berlin. Nähere Angaben zu den Umständen der Ausreise machten gestern weder das Auswärtige Amt noch Freunde und Familie des Fockbekers.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte sich erleichtert über Jennrichs Rückkehr: "Damit haben viele Monate der Ungewissheit und der Sorge für seine Freunde und Familie ein vorläufiges Ende gefunden." Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) wünschte Jennrich, "dass er hier nun erst einmal mit seiner schwangeren Lebensgefährtin Ruhe findet".

Die Ermittlungen gegen den 32-Jährigen sind indes noch nicht abgeschlossen. Der Fall hatte lange die Beziehungen zwischen Deutschland und China belastet. Jennrichs Spedition soll in China Einfuhrwerte von zeitgenössischen Kunstobjekten zu niedrig angegeben und den Zoll angeblich um umgerechnet 2,3 Millionen Euro geprellt haben. Es soll sich vor allem um Bilder für den einflussreichen Sammler Budi Tek handeln. Sowohl Jennrichs in Deutschland lebender Firmenchef als auch Branchenkenner weisen die Vorwürfe als unhaltbar zurück.

Die chinesischen Behörden hatten den Fall des Fockbekers über lange Zeit verschleppt. Nach seiner Inhaftierung im März saß Jennrich monatelang in einer Zelle mit 20 Mitgefangenen. Nur alle 14 Tage habe er Kontakt zur deutschen Botschaft gehabt, sagte Jennrich der ARD. Nach 127 Tagen in Haft war er im August gegen Kaution wieder frei gekommen, durfte das Land aber lange Zeit nicht verlassen. Auch nach Besuchen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Westerwelle war keine Bewegung in den Fall gekommen.

Auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hatte mehrmals "Missstände" bei der Behandlung und Inhaftierung des Spediteurs beklagt. Sie sagte gestern im Internet über den Kurznachrichtendienst Twitter: "Freue mich für Nils Jennrich. Habe mich auch vor Ort sehr für seine Freilassung eingesetzt." Die Ministerin war am 8. und 9. April zum deutsch-chinesischen Rechtsstaatsdialog in Hangzhou in China und hatte das Thema dabei angesprochen.

Wie es mit den Ermittlungen gegen Nils Jennrich weitergeht, ist unklar, zumal er nach eigener Aussage keinen Einblick in die beschlagnahmte Ware bekommt. Auch eine Anklage gegen ihn gebe es noch immer nicht, sagte Jennrich Ende April in Peking.

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