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Gemeindekasse geplündert: Vier Jahre Haft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Kieler Landgericht verurteilt Beamtin wegen Veruntreuung von mindestens 600 000 Euro

Um 9.36 Uhr gestern Vormittag waren nach 21 Verhandlungstagen die letzten Zweifel beseitigt: Annemarie F. kam vor der 34. Strafkammer des Kieler Landgerichts mit ihrer Chaos-Theorie nicht durch. Die Folge: Vier Jahre und zwei Monate Haft für Untreue im Amt in einem besonders schweren Fall. Die Kammer um den Vorsitzenden Richter Dr. Felix Lehmann ist überzeugt, dass die suspendierte Beamtin die ihr anvertraute Gemeindekasse von Harrislee bei Flensburg zwischen 2002 und 2005 ausgeplündert hat. Der finanzielle Schaden für die Gemeinde: 600 000 Euro. Mindestens.

Das Urteil kam wie ein Hammerschlag. Bis zuletzt hatte F. ihre Unschuld beteuert; das Geld sei im Zuge der Einführung einer neuen Verwaltungssoftware im Haushalt verschollen und nur noch nicht wieder aufgetaucht. Doch für Lehmann ist klar: Dieses Geld wird nicht wieder auftauchen. Jedenfalls nicht im Harrisleer Haushalt.

Für Annemaries F.s Darstellung einer überforderten Beamtin in einer schlampig geführten und schlecht beaufsichtigten Finanzabteilung fand die Kammer keine Belege. Stattdessen gelangte das Gericht zu der Überzeugung, F. habe vielmehr ein künstliches Chaos veranstaltet, um den fast täglichen Griff in die Bargeldkasse systematisch zu verschleiern. Die Kammer geht davon aus, dass ein Viertel, wenn nicht sogar die Hälfte der Barauszahlungen vom Sparkonto der Gemeinde privat bei Annemarie F. landeten. Jährlich. In Einzelbeträgen zwischen 500 und knapp 10 000 Euro.

Mit einer Doppelbuchung, in der zweimal 1,2 Millionen Euro bewegt wurden, wollte sie nach Überzeugung der Kammer den Schaden verschleiern, exakt 2 259 248,80 Euro. F. hatte erklärt, diese Buchung auf Anordnung ihres inzwischen verstorbenen Chefs vorgenommen zu haben, doch die Kammer fand dieses Argument unglaubwürdig.

Die Gemeinde führt vor dem Schleswiger Verwaltungsgericht einen Prozess, um auf zivilrechtlichem Weg 1,5 Millionen Euro von ihrer untreuen Mitarbeiterin zu bekommen. Beamtin ist sie nicht mehr – mit dem Urteil büßt sie alle Privilegien unwiderruflich ein. Ob das Urteil aber schnell rechtskräftig wird, ist offen. Rechtsanwalt Unger kündigte an, in Revision zu gehen.

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erstellt am 30.Jan.2014 | 12:55 Uhr

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