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Kommentar : Geiselnahme in der JVA Lübeck: Rätsel hinter Gittern

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Hat ein Wärter einen Geiselnehmer zusammengetreten? Ministerin Spoorendonk bringen weitere Fragen zum Fall in Nöte. Es ist höchste Zeit für Offenheit, kommentiert Frank Albrecht.

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2015 | 11:15 Uhr

Noch ist nichts endgültig geklärt und schon gar nichts gerichtsfest bewiesen. Doch eines steht bereits definitiv fest: Die Geiselnahme im Lübecker Gefängnis wirft immer mehr Fragen auf. Fragen, die sogar die zuständige Ministerin in Nöte bringt. Das allein ist schon äußerst bemerkenswert.

Ganz offensichtlich wurde in diesem Fall von Anfang an nicht mit offenen Karten gespielt. Das gilt für das zweifelhafte Verhalten der Gefängnischefin in der Tatnacht am Heiligen Abend genauso wie für Anke Spoorendonks öffentliche Aussagen zu dem Verbrechen. Die Justizministerin mag gute Gründe gehabt haben, den schweren Verdacht gegen einen ihrer Beamten nur im engen Kreis des Innen- und Rechtsausschusses zu verkünden. Sie hat schließlich eine Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiter.

Ob es auch politisch klug war, steht auf einem anderen Blatt. Scheibchenweise kommen Details an die Öffentlichkeit, die den Fall in immer neuen Wendungen erscheinen lassen. Vertrauen in die Arbeit der Ministerin schafft das nicht. Wenn sie jetzt im Fadenkreuz der Opposition steht, hat die SSW-Politikerin erheblichen Anteil daran, dass „der Bock allmählich fett wird“, wie es Wolfgang Kubicki gewohnt drastisch formuliert. Der Mann ist immerhin Strafverteidiger von Beruf und sollte sich in der Materie auskennen.

Die berühmt-berüchtigte Salamitaktik hat noch nie zu einem guten Ende geführt. Das sollte eigentlich auch Spoorendonk bekannt sein. Höchste Zeit also, dass alle Informationen zu dem Fall auf den Tisch kommen. Offenheit hat noch nie geschadet.

Zumal der Wirbel um die Geiselnahme der Ministerin auch bei ihrer geplanten Justizreform schaden könnte. Denn die Vollzugsbeamten sehen den harten Alltag in den Haftanstalten ohnehin mit ganz anderen Augen als die Ministerin.

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