Gefangen in der Abwärtsspirale

Eine 'negative Dynamik' hat laut Sozialmonitor unter anderem der Stadtteil Steilshoop./Archiv
Eine "negative Dynamik" hat laut Sozialmonitor unter anderem der Stadtteil Steilshoop./Archiv

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16. Januar 2013, 01:14 Uhr

Hamburg | Aller Stadtteilprogramme und Fördermaßnahmen zum Trotz: In Hamburg will sich die Schere zwischen Arm und Reich nicht schließen. Das ist das Ergebnis des dritten Sozialmonitoring-Berichts des Senats. Die Erhebung für 2012 attestiert mehr als jedem sechsten Quartier in der Millionenstadt einen "niedrigen" oder "sehr niedrigen" sozialen Status.

Der Atlas beschreibt neben dem Status Quo auch die Entwicklung der untersuchten Einheiten. Demnach gab es in den seit langem als Problemviertel bekannten Wohngebieten auch im vergangenen Jahr so gut wie keinen Aufwärtstrend. Belastend wirken dort weiterhin hohe Arbeitslosigkeit, hoher Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund sowie niedrige Schulabschlüsse.

Die Erhebung der Hafencity Universität im Auftrag der Behörde für Stadtentwicklung teilt Hamburg in 833 Gebiete und trägt in diesen Daten zu Bevölkerungs- und Haushaltsstrukturen, Transferleistungsbezug wie Hartz IV und Bildungsabschlüssen zusammen. Obwohl der Arbeitsmarkt 2012 brummte, können die Statistiker für die sozialen Brennpunkte keine Fortschritte messen. Hatte die Studie für 2011 noch 151 Gebiete mit einem "niedrigen" (81) und "sehr niedrigem" (71) Status ermittelt, waren es 2012 immer noch 149 (78/71). Besonders trübe ist die Situation weiterhin in den Stadtteilen Billstedt, Horn, Jenfeld, Wilhelmsburg, Osdorf, Lurup, St. Pauli, Altona-Altstadt, Dulsberg und Steilshoop. 31 der kritischen Gebiete weisen obendrein eine "negative Dynamik" auf. Heißt: Die Abwärtsspirale hat sich vor allem in Teilen von Steilshoop, Wilhelmsburg, Lurup, Rothenburgsort, Barmbek-Nord, Harburg, Horn, Jenfeld und Neuallermöhe weiter beschleunigt. In Hamburg erhalten derzeit rund 50 Gebiete Hilfen im Rahmen Integrierter Stadtteilentwicklung. Wenig Überraschendes bietet auch der Blick auf das andere Ende der Skala. Die reichen Gebiete ("hoher Status") ermittelt der Atlas vor allem in den Elbvororten (Othmarschen, Blankenese, Nienstedten, Rissen) sowie in den Waldörfern (Wellingsbüttel, Wohldorf-Ohlstedt, Lemsahl-Mellingstedt).

Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau (SPD) sieht den Sozialmonitor als wichtige Grundlage der Stadtteilförderung. "So können wir frühzeitig soziale Problemlagen identifizieren und ihnen gezielt begegnen." Die Grünen-Vorsitzende Katharina Fegebank beklagt dagegen die Verfestigung von Armut: "Abgehängte Gebiete bleiben abgehängt." Trotzdem streiche der SPD-Senat aktuell bei den Schwächsten.

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