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Toter und Verletzte bei Segeberg : Gas-Auto explodiert: Forderung nach Kennzeichnung

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Ein Toter und zehn Verletzte: Die Explosion eines gasbetriebenen Autos bei Segeberg wirft Fragen auf.

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Rohlstorf | Schock am Freitagmorgen in der Nähe von Rohlstorf bei Bad Segeberg. Ein Auto mit Gasantrieb kommt auf einer Kreisstraße von der Fahrbahn ab, prallt gegen einen Baum und  geht in Flammen auf. Noch während die Einsatzkräfte zweier Feuerwehren den Brand löschen, explodiert der Wagen. Zehn Feuerwehrleute werden verletzt, fünf von ihnen schwer. Der 53-jährige Fahrer kommt ums Leben, er konnte sich nach Angaben von Kreisfeuerwehrsprecherin Gabriele Turtun nicht mehr aus dem Auto befreien.

Der Unfall mit dem gasbetriebenen Auto warf am Freitag viele Fragen auf – vor allem nach der Ursache. Noch ist unklar, wie es genau zu dem Unfall gekommen ist und was die Detonation ausgelöst hat. Der zerstörte Gastank des Ford Focus war nach der Explosion knapp hundert Meter weiter auf einem Feld gefunden worden.

Auch wenn ein Zusammenhang zwischen dem Brand, dem Gasantrieb und der Explosion wahrscheinlich sei, stehe er noch nicht fest, sagte Sabine Zurlo, Sprecherin der Polizeidirektion Bad Segeberg. „Wir müssen die Erkenntnisse der Sachverständigen und das Ergebnis der kriminaltechnischen Untersuchung abwarten.“

„Gas-Autos sind nicht unsicherer als Fahrzeuge, die mit Benzin angetrieben werden“, sagt Ulf Evert, ADAC-Sprecher in Schleswig-Holstein. Viele unterschiedliche Crash- und Feuertests des Automobilclubs hätten dies unter Beweis gestellt.

Auch das Kraftfahrtbundesamt (KBA) in Flensburg, zuständig für die Produktsicherheit für Straßenfahrzeuge, war kurz nach dem Unfall bereits informiert und wartet jetzt auf die Ergebnisse der Sachverständigen. „Wenn die Bau- und Betriebsvorschriften auf europäischer Ebene eingehalten sind, dann passiert in der Regel auch nichts“, sagt KBA-Sprecher Stephan Immen. Dies gelte auch für Kraftfahrzeuge mit Gasantrieb. Von den derzeit knapp 44 Millionen Pkw in Deutschland fahren gut 500.000 mit Flüssiggas und knapp 80.000 mit Erdgas.

Innenminister Andreas Breitner äußerte sich bestürzt über die Gasexplosion und wünschte den verletzten Feuerwehrleuten rasche Genesung. Deren Angehörige sowie die am Einsatz beteiligten unverletzten Kräfte wurden von Seelsorgern und Psychologen betreut.

Unterdessen fordert der Landesfeuerwehrband Schleswig-Holstein eine Kennzeichnungspflicht für gasbetriebene Fahrzeuge. „Wir werden jetzt über den Bundesfeuerwehrband auf eine solche Regelung drängen“, sagte Landesfeuerwehrvize Ralf Thomsen den „Lübecker Nachrichten“ (Sonntag). Auch der Geschäftsführer der Feuerwehr-Unfallkasse Nord, Lutz Kettenbeil, sprach sich dafür aus, „damit Rettungskräfte wissen, mit was für einem Auto sie es am Einsatzort zu tun haben“.

„Die Retter hatten überhaupt keine Chance, die Explosion vorherzusehen“, sagte Thomsen. Seiner Meinung nach sollten gasbetriebene Fahrzeuge deshalb künftig mit einem gelben Gefahrenzeichen gekennzeichnet werden.

Dekra-Unfallforscher Markus Egelhaaf hält dagegen wenig von der Idee. Bei einem brennenden Fahrzeug sei auch ein Aufkleber nicht mehr zu erkennen, sagte er dem Blatt.

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