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"Job of my Life" : Für spanische Fachkräfte geht in SH das Geld aus

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Betriebe in Schleswig-Holstein haben beim Anwerben junger Spanier auf ein Programm der Bundesregierung gesetzt – doch jetzt wurde ein Förderstopp verhängt

shz.de von
erstellt am 24.Apr.2014 | 09:48 Uhr

Kiel | Junge Menschen aus Spanien und anderen Euro-Krisenländern sollen nach Deutschland geholt werden, um hier gegen den Fachkräftemangel zu kämpfen. Diese Botschaft hat die Bundesregierung in den vergangenen Monaten regelmäßig wiederholt. Auch Betriebe in Schleswig-Holstein haben auf die Initiative gesetzt, die mit Slogans wie „The job of my life“ im Internet beworben wurden. Doch Anfang des Monats ist der Bundesregierung das Geld ausgegangen. Die Zukunft der „MobiPro“-Initiative steht in den Sternen – zum Ärger der Wirtschaft. Zum Verhängnis wurde dem Programm sein eigener Erfolg.

Unter dem Titel „Moin España“ – und fußend auf „MobiPro“ – holte auch die Handwerkskammer Lübeck rund 20 junge Spanier in den Norden. In ihrem Heimatland haben sie einen Sprachkurs gemacht, es folgten Praktika bei Betrieben in Schleswig-Holstein, bei der absoluten Mehrzahl schloss sich eine Ausbildung an. Gut 20 weitere Spanier sollen Mitte des Jahres folgen – trotz Ebbe in der Förderkasse. „Bis auf einen haben alle Bewilligungen des Sprachkurses erhalten“, sagt Monika Patschull, Abteilungsleiterin für internationale Projekte bei der Handwerkskammer Lübeck. Bereits im Januar seien die Anträge gestellt worden.

Für den Norden könnte dies ein Glücksfall gewesen sein. Die Kammer setzt nun darauf, dass diese erste Bewilligung – trotz Förderstopp – den Spaniern auch für nachfolgende Anträge gute Karten bringt. Und das ist dringend notwendig. Gerade der Anfang sei schwer, räumt Horst Kruse, Handwerkskammer-Präsident in Schleswig-Holstein ein. „Die Betreuung ist sehr, sehr aufwendig.“ Bedeutet im Klartext: Sowohl die künftigen Auszubildenden als auch die Betriebe kostet das Projekt viel Geld. Und daher versprach „MobiPro“ bislang nicht nur einen Sprachkurs, sondern auch Zuschüsse für Anreise und Lebensunterhalt. Ohne die Förderung ginge es nicht.

„Wir sind die Opfer des eigenen Erfolgs“, sagt Beate Raabe, Sprecherin der zuständigen Zentrale für Auslands- und Fachkräftevermittlung (ZAV), über die sämtliche Anträge laufen. Allein im ersten Quartal 2014 wurden 9000 Anträge für „MobiPro“ gestellt. So viele wie im gesamten Jahr 2013 nicht. Bis 2018 hat die Bundesregierung den Etat daher kurzfristig auf rund 360 Millionen Euro ausgeweitet.

Doch für 2014 ändert sich dadurch nichts mehr. Aus Sicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) schadet der Förderstopp „dem Image unseres Landes und löst erhebliche Verunsicherungen bei Betrieben und ausländischen Jugendlichen aus“. Dabei sind besonders Mittelständler von der zu knappen Kalkulation der Bundesregierung betroffen.

Konzerne wie Siemens verfügen über eigene Programme zum Anwerben junger Talente aus dem Ausland und lassen sich das Millionen kosten. Allein bei Siemens Programm „Europeans@Siemens“ sind es 4,5 Millionen im Jahr – für bis zu 30 Auszubildende.

Ginge es nach Kruse, könnten die mittelständischen Betriebe in Schleswig-Holstein noch weitaus mehr Spanier aufnehmen. „Wir sind da offen.“ Dabei sieht er auch die Situation in den Heimatländern der Menschen. „Das ist sicher auch ein humanistischer Gedanke.“ Kein Wunder: Allein in Spanien lag die Arbeitslosigkeit zuletzt bei gut 25 Prozent.

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