Fünf Lokalradios für den Norden

Bei zwei der UKW-Frequenzen geht’s ums Geldverdienen, bei den anderen um ein Programm gegen den Mainstream / Die Bewerber

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26. Mai 2015, 10:50 Uhr

Schleswig-Holstein bekommt fünf lokale Radiostationen. Elf Interessenten haben sich bei der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein um die UKW-Frequenzen beworben. Ihre Sender haben so klangvolle Namen wie „Syltfunk Söring Radio“ oder „Freies Radio Neumünster“. Wer aber steckt hinter den Bewerbern? Und was planen sie für ein Programm? Der neue Medienstaatsvertrag, seit Anfang des Jahres in Kraft, sieht vor, dass in drei Regionen des Landes nichtkommerzielles Lokalradio zu hören sein soll. In zwei Regionen darf es kommerziellen lokalen Hörfunk geben. Der Medienrat hat Sylt, samt angrenzendem Festland, und den Großraum Lübeck ausgewählt. Beides sind begehrte Märkte – allein acht der elf Bewerber wollen hier eine Lizenz.

Antenne Sylt. Dahinter steht die Antenne Sylt GmbH, die bereits seit fünf Jahren ein 24-Stunden-Programm sendet. Zielgruppe sind Sylter, Pendler und Gäste, empfangen werden kann Antenne Sylt via Internet (inklusive Antenne-Sylt-App) sowie Kabel-Deutschland. Die Redaktion mit vier Mitarbeitern sitzt in Rantum. „Lokale Minderheiten haben bei uns einen besonderen Platz“, betont Geschäftsführer Joachim W. Wussow. Sollte Antenne Sylt den Zuschlag erhalten, werde „die Redaktion signifikant erweitert“.

Syltfunk Söring Radio. Wird seit 2007 von der SyltFunk Mediengesellschaft produziert. „Wir sind das regionale Radio für Einheimische und Gäste“, sagt Geschäftsführer Stefan Hartmann. An Bord seien professionelle Radiomacher. Gesendet wird derzeit 24 Stunden über Podcast, Internet-Streaming und Apps. Der Fokus der Berichterstattung liege auf dem regionalen Tagesgeschehen.

Mien Radio. Die NordOstsee Radio Beteiligungs GmbH (Radio Nora) wirft ihre Kompetenz ins Rennen um das Sylter Lokalradio. „Wir trauen uns, ein nordfriesisches Programm erfolgreich zu verwirklichen“, sagt Geschäftsführer Martin Hülsmann. Gesendet werden soll 24 Stunden, davon fünf Stunden live (zwei morgens, eine mittags und zwei nachmittags). Zum Team sollen drei feste Mitarbeiter gehören, außerdem „Saisonkräfte“. Gesendet werden soll auf Plattdeutsch, Dänisch und Friesisch. Zielgruppe sind Hörer ab 35 Jahren.

Antenne Lübeck. Ist ein Projekt von Radioexperte Fred Dohmen, der in Süddeutschland bereits etliche lokale Radiosender gegründet hat. Sein jüngstes Projekt ist der kommerzielle Stadtsender „Radio Hannover“. Geplant ist ein Vollprogramm. „Wir werden in Lübeck ein kleines aber feines Team an die Mikrofone schicken, über lokale Ereignisse wird man bei uns zuerst informiert“, kündigt Dohmen an.

88,5 onAir. Dahinter steht die Werbeagentur Falkemedia Lifestyle mit Sitz in Kiel. „Wir wollen Hörer gewinnen, die Plattdeutsch im Programm mögen, Wortbeiträge schätzen und auch selbst gern zur Wort kommen“, sagt Kassian Alexander Goukassian, Chef von Falkemedia. Die redaktionelle Mannschaft soll aus vier festen Moderatoren bestehen, unterstützt von freien Mitarbeitern. Sendezeit: 24 Stunden, davon mindestens acht live. In den übrigen 16 Stunden soll das Programm mit redaktionellen Elementen aufgelockert werden. Zielgruppe seien „die 40-Jährigen jeden Alters“.

Radio 88,5. „Wir machen den Lokalteil der Tageszeitung hörbar“, ist das Motto von Radio 88,5. Ein Team aus zehn bis zwölf radioerfahrenen Mitarbeitern werde das lokale Hörfunkprogramm produzieren, sagt Programmchef Roland Michels. Geplant ist auch hier ein Vollprogramm. „Unsere Zielgruppe sind alle Menschen, die im Empfangsgebiet leben und natürlich die Urlaubsgäste der Region Herzogtum Lauenburg und Lübeck.“

Radio Lübeck. Wird eingebunden sein in ein Netz von Lokalradios in 18 weiteren Städten, betrieben von der Radio Group GmbH. „Der Verbund ermöglicht ein Programm mit höherem Wortanteil“, sagt Projektmanager Lutz Sonntag. Das politische, kulturelle und soziale Geschehen in und um Lübeck solle umfangreich dargestellt werden. „Radio Lübeck wird einen Programmbeirat installieren und ein Redaktionsstatut beschließen“, so Sonntag. Zielgruppe seien alle Einwohner der Region von 20 bis 60 Jahren. Die Musikrotationen werde vielfältiger sein als die teilweise nur von 200 Titeln dominiert hiesige Radiolandschaft.

Hanse Radio. Diesen Namen hat das Medienunternehmen Regiocast, beteiligt an zahlreichen Radiosendern, seinem Lübecker Konzept gegeben. „Wir peilen eine Zielgruppe ab 45 Jahren an“, sagt Sprecherin Katrin Haltermann. Ein Redaktionsteam von vier fest angestellten Mitarbeitern soll ein 24-Stunden-Programm auf die Beine stellen, davon acht bis zehn Stunden live. Geplant ist eine plattdeutsche Stunde, Sport-vor-Ort und ein Streaming, etwa aus der Ratsversammlung. „Musikalisch werden wir Schlager, Oldies und Norddeutsches spielen“, so Haltermann.

In den Regionen um Flensburg, Rendsburg und Neumünster wird es drei nicht kommerzielle Sender geben, die auf Ehrenamtliche setzen und mit 200  000 Euro aus der Medienstiftung gefördert werden sollen. Drei Bewerbungen gingen dafür ein. „Mit einem gemeinnützigen und engagierten Journalismus wollen wir rund um die Uhr eine publizistische Ergänzung und Alternative in der bestehenden Medienlandschaft schaffen“, sagt Stefan Tenner vom Freien Radio Neumünster, seit 2014 ein eingetragener Verein. Die gleichen Ziele haben sich der Verein Freies Lokalradio Flensburg und der Verein Freies Radio Rendsburg gesetzt. „Wir werden ein Radio mit Ecken und Kanten machen“, sagt Radiomacher Julian Einfeldt. Moderatoren und Hörer sollen Menschen sein, die „etwas bewegen wollen, die nicht einverstanden sind“. Die Spanne der Themen reiche von gesellschaftlichen Fragen wie der menschenwürdigen Behandlung von Asylbewerber bis zu Problemen auf der lokalen Ebene wie die drohende Schließung eines Schwimmbads. Geplant sind Livesendungen, ein interkulturelles Radio in vielen Sprachen, Sendungen von Kindern und Berichte über „Nischenkultur“.

Die Medienanstalt will die Bewerber Anfang Juni anhören, danach die Lizenzen vergeben.

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