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Havarie auf NOK : Führerlos im Kanal – Lotsen weisen Vorwürfe zurück

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Bergung der „Siderfly“ wird schwieriger als erwartet. Nord-Ostsee-Kanal bei Brunsbüttel ist weiter blockiert. Noch bleibt der Hergang der Havarie ein Rätsel: Trieb der Frachter führerlos als Geisterschiff über den Kanal?

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2013 | 00:31 Uhr

Brunsbüttel | Die Havarie auf dem Nord-Ostsee-Kanal: Jetzt gibt es zum Verlauf der Ereignisse nach der Kollision zwei Versionen. Im Raum steht dabei die brisante Frage, ob der Küstenfrachter „Siderfly“ nach der Kollision mit der „Coral Ivory“ als Geisterschiff führerlos auf dem Kanal trieb.

„Die Crew und auch der Lotse haben die ,Siderfly‘ unmittelbar nach der Kollision verlassen“, sagt Thomas Fischer vom Wasser- und Schifffahrtsamt Brunsbüttel. „Sie trieb führerlos.“

Verursacht hat das Unglück nach Aussage der Staatsanwaltschaft Itzehoe der niederländische Gastanker „Coral Ivory“ (116 Meter lang). Er war Montagmorgen aus dem Landeshafen Ostermoor bei Brunsbüttel gefahren und wollte in Richtung Kiel. Dabei geriet sehr wahrscheinlich die Kurve zu groß. Sein Bugwulst riss zwei Löcher in die „Siderfly“ (100 Meter), die in Richtung Elbe fuhr.

Die GPS-Positionsdaten, die jedes große Schiff in eine Datenbank überträgt, zeigen, dass sich die „Siderfly“ nach der Havarie rund 40 Minuten gegen ihre ursprüngliche Fahrtrichtung bewegte. 600 Meter weit. Eine gefährliche Situation: Denn direkt hinter der „Siderfly“ fuhr der Frachter „Mittelplate“. Eine weitere Kollision konnte aber verhindert werden. „Der Lotse an Bord der ,Mittelplate‘ konnte rechtzeitig stoppen“, so Fischer.

Für Empörung sorgt der Geisterschiff-Verdacht bei Michael Hartmann von der Lotsenbrüderschaft NOK I Brunsbüttel. Er sagt: „Die ,Siderfly‘ trieb zu keiner Zeit führerlos.“ Nach der Kollision habe der Kapitän ein Rückwärtsmanöver eingeleitet und den Steuerbordanker geworfen. „Innerhalb von zwei Minuten bekam das Schiff dann starke Schlagseite. Es wurde die Hilfe von Schleppern in der Nähe angefordert, die den Frachter in die Böschung drückten.“ Gleichzeitig hätten das Lotsenversetzboot „Kiebitz“ und das Rettungsboot eines weiteren Schiffes die Crew gerettet.

Die Bergung der „Siderfly“ wird schwieriger als angenommen. „Untersuchungen mit einer Spezialkamera zeigen, dass das Leck im vorderen Bereich mit fünf mal acht Metern größer ist als angenommen“, sagt Ulrike Windhövel vom Havariekommando Cuxhaven. Um die „Siderfly“ stabil zu halten, müsse das geladene Düngemittel von Bord. Gestern schweißten Experten Poller an den Havaristen. Daran kommen Trossen, die mit drei Bulldozern an Land verbunden werden. Dank dieser Sicherung sollen heute die Schlepper abgezogen werden können. Sie mussten die „Siderfly“ trotz vergrabener Anker mit laufenden Motoren an der Böschung halten – dabei wirbelten ihre Schrauben das Wasser so heftig auf, das Taucher unmöglich gefahrlos arbeiten konnten. „Durch den Abzug der Schlepper wird auch das Fahrwasser wieder breiter“, sagte Windhövel. Voraussetzung für die Freigabe des Kanals.



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