Von Strandgebühr, Kurtaxe und Tourismusabgabe : Friesland: Freie Bürger fordern freie Strände

Eintritt für den Strand geht manchen Urlaubern auf die Nerven.
Eintritt für den Strand geht manchen Urlaubern auf die Nerven.

In Friesland kämpft eine Initiative gegen Strandgebühren und für den freien Zugang zur Nordsee. Auch in SH kocht das Thema immer wieder hoch. Doch geändert wird vorerst nichts.

shz.de von
06. Juni 2014, 13:38 Uhr

Sylt/St. Peter-Ording | Zäune versperren den Weg zum Strand oder ein Kassierer fängt Touristen ab: Viele Tagesgäste an der Küste ärgern sich über Gebühren, die schon für einen kurzen Strandspaziergang fällig werden. Dieses Bezahlmodell will die Initiative „Freie Bürger für freie Strände“ im niedersächsischen Hooksiel (Kreis Friesland) abschaffen. Sie klagt dagegen beim Verwaltungsgericht Oldenburg. Am Pfingstmontag wollen die Mitglieder gegen die Zäune demonstrieren und Leitern zum Übersteigen der Hindernisse anbieten. Initiator Janto Just kritisiert, dass an der Nordsee in Niedersachsen vor allem die attraktiven Strände kostenpflichtig seien. „In Friesland sind nur die B- oder C-Strände frei. Es sollte ein angemessenes Verhältnis von Stränden mit und ohne Gebühr geben“, fordert er.

Die Gebührenpraxis weit verbreitet. Auch in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern kostet der Strandzugang bares Geld. Das wird in SH auch so bleiben, auch wenn es immer wieder Kritik an Zäunen und Bezahlhäuschen gibt. Catrin Homp vom Tourismusverband Schleswig-Holstein glaubt nicht, dass Touristen durch die Kassenhäuschen oder -automaten abgeschreckt werden. „Die Gemeinden sind auf die Gebühr angewiesen“, sagt sie. Gewinn machen dürften die Orte damit nicht, lediglich die Mehrausgaben wie Strandreinigung oder die Unterhaltung des Kurparks und andere die Pflichtangebote, die ein Bad vorhalten muss, werden dadurch zum Teil abgedeckt. „Außerdem muss jede Gemeinde einen frei zugänglichen Strand vorhalten.“

Das Geflecht aus Gebühren und Abgaben ist komplex und von Ort zu Ort unterschiedlich realisiert. Eine Tourismusabgabe wird von den Hotels, Gaststätten und anderen Unternehmen im Ort gezahlt und somit nur indirekt vom Gast oder Kunden. Hinzu kommt eine Kurabgabe, die der Übernachtungsgast an seinen Vermieter zahlt und dafür eine Kurkarte erhält. Der Tagesgast zahlt diese an den Stränden. Grund dafür ist die Gesetzeslage. „Der Übernachtungsgast darf gegenüber dem Tagesausflügler nicht benachteiligt werden“, sagt Homp.

Glücksburg erhebt für Erwachsene in der Saison eine Strandgebühr von 2,60 Euro. In St. Peter-Ording liegt die Tageskurabgabe bei drei Euro, auf Sylt zahlt der Badegast zwischen 2,50 und 3,10 Euro. „Der Kostensatz berechnet sich nach den Ausgaben für die Kurangebote, der durch die Anzahl der Gäste geteilt wird“, erklärt der Geschäftsführer von Sylt-Marketing, Moritz Luft.

Bestrebungen der Tourismus-Experten der Hauptkurorte, die verschiedenen Modelle zusammenzulegen – und die Kassenhäuschen und Kontrolleure abzuschaffen, liegen derzeit auf Eis. Rainer Balsmeier, Tourismusdirektor in St. Peter-Ording betont aber, dass die Kurorte sich bemühen, das Thema  im Auge zu behalten.

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