Nach Schliessung der Mädchenheime : Friesenhof-Chefin verklagt SH

Die Leiterin der „Friesenhof“-Jugendheime in Dithmarschen, Barbara Janssen, weist Vorwürfe, nach denen in den Heimen Jugendliche schikaniert worden sein sollen, als haltlos zurück.
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Die Leiterin der „Friesenhof“-Jugendheime in Dithmarschen, Barbara Janssen, weist Vorwürfe, nach denen in den Heimen Jugendliche schikaniert worden sein sollen, als haltlos zurück.

Die Betreiberin Barbara Janssen wehrt sich gegen die Schließung ihrer umstrittenen Mädchenheime – und weist Vorwürfe als „Verleumdungen“ zurück.

Margret Kiosz von
29. Juli 2015, 11:49 Uhr

Betreiber von Kinder- und Jugendheimen scheinen klagefreudig zu sein. Wie gestern bekannt wurde, will sich Barbara Janssen, Betreiberin der umstrittenen Friesenhof-Mädchenheime in Dithmarschen, mit dem Entzug der Betriebserlaubnis durch das Land nicht abfinden. Das Sozialministerium in Kiel bestätigte, dass Janssen gegen einen entsprechenden Bescheid Anfang Juli „fristwahrend Klage gegen das Land Schleswig-Holstein beim Verwaltungsgericht Schleswig eingereicht hat“. Eine Begründung liege dem Ministerium nicht vor. Die Einrichtungen waren in die Kritik geraten, weil dort Mädchen beschimpft, gedemütigt, gefilmt und zum Ausziehen gezwungen worden sein sollen.

Janssen hatte bereits im Frühjahr gegen die vom Landesjugendamt verfügten Auflagen gegen das Mädchenheim „Friesenhof“ Beschwerde eingelegt, woraufhin das Land einlenkte und in einer gemeinsamen Vereinbarung mit Janssens Anwälten eine verwässerte Regelung festschrieb. Auch die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände nutzte kürzlich anwaltliche Hilfe, um gegen die vom Land geplante Reform der Heimaufsicht und damit verbundenen strengeren Vorschriften für die Heimbetreiber Front zu machen.

Janssen begründete gestern ihren Schritt damit, dass sie schon um ihrer Selbstachtung willen den Schließungsbescheid nicht hinnehmen könne. Sie habe alle in der Vereinbarung mit dem Landesjugendamt im April festgezurrten Punkte erfüllt. „Die Schließung war nicht gerechtfertigt, die angegebenen Gründe lagen nicht vor“, betont die 70-Jährige gegenüber unserer Zeitung. Das Ministerium hatte das Aus für zwei Friesenhof-Heime im Mai damit gerechtfertigt, es sei nicht ausreichend qualifiziertes Personal vorhanden.

Janssen selbst versteht die Welt nicht mehr und fühlt sich als Opfer von Verleumdungen. „Ich habe das Camp zehn Jahre lang zur großen Zufriedenheit der entsendenden Jugendämter geführt. Wir haben dort tolle Arbeit gemacht, für die uns viele Mädchen und Eltern später gelobt haben“, berichtet sie. „Warum hat sich von den Jugendämtern niemand beschwert, wenn es angeblich bei uns so schlimm war?“ Ihr Lebenswerk sei zerstört „und 26 Jahre Jugendarbeit in Staub zerlegt worden“, nur weil sich das Ministerium durch die „unsachliche Berichterstattung“ habe treiben lassen. Das habe zu einem Dominoeffekt geführt – die Banken drehten den Geldhahn zu, und sie musste Insolvenz anmelden.

Das will Janssen nicht hinnehmen. „Ich will endlich wieder im Ort einkaufen gehen können, ohne dass die Menschen anfangen zu flüstern“, wünscht sie sich. Es sei unbestritten, dass Mädchen, bei denen das Leben aus den Fugen geraten ist, feste und strenge Regeln brauchten. „Das pädagogische Konzept der Einrichtung ist richtig gewesen – was allerdings nicht ausschließt, dass einige Mitarbeiter schwere Fehler gemacht haben, die ich – wenn ich davon gewusst hätte – niemals geduldet hätte.“

Erstaunlich findet Janssen jedoch, dass diejenigen Mitarbeiter über die ehemalige Friesenhof-Bewohnerinnen derzeit im Internet so schlimme Dinge berichteten, „jetzt munter in anderen Einrichtungen weiterarbeiten können, ohne dass sich jemand aufregt oder genauer hinschaut“. Sauer ist sie auch auf die Mitarbeiter im Jugendamt, die stundenlang mit ihr über die Lösung des Handyproblems diskutiert haben, um Wege zu finden, wie man jungen Mädchen den Zugang zur Außenwelt ermöglicht, aber schädliche Telefonate mit Zuhältern unterbinden kann. Das alles sei plötzlich vergessen, alle täten überrascht, obwohl alle von dieser Gratwanderung wussten.

Janssen hofft nun auf die Schleswiger Richter. Bis die ein Urteil fällen, kann es dauern. Noch liegt dem Kieler Ministerium die Begründung für die aktuelle Klage der Friesenhof-Betreiberin nicht vor. Erst wenn das der Fall ist, muss das Landesjugendamt binnen eines Monats eine Stellungnahme abgeben. Es kann dann Monate dauern, bis das Gericht über den Rechtsstreit entscheidet.

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