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Erstaufnahme auf Uni-Campus : Flüchtlingsdorf in Flensburg: Alle Investoren springen ab

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Regionale Genossenschaften ziehen sich zurück – und wollen sich auf Wohnungsbau für Kommunen konzentrieren.

Es sollte die Vorzeige-Einrichtung werden, die erste Blaupause für die positive Willkommenskultur des Landes. Ein hochwertiges Studentenwohnheim, das vielleicht fünf Jahre als Flüchtlingsdorf für ankommende Asylsuchende genutzt werden könnte. Jetzt kommt alles anders: „Der Bau der Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Campus der Flensburger Hochschulen wird voraussichtlich nicht wie geplant mit einem privaten Investor realisiert werden können“, teilte ein Sprecher des Innenministeriums am Wochenende mit. Das Vergabeverfahren für den Standort Flensburg sei am Freitag wegen des Rückzugs der Bewerber aufgehoben worden. Wie die Erstaufnahmeeinrichtung in Flensburg jetzt realisiert werden soll, prüfe man zunächst intern. Titel der Mitteilung: „Vorerst kein privater Investor für Bau der Erstaufnahmeeinrichtung in Flensburg“.

Rückblick ins Frühjahr, als das Land neben der zentralen Erstaufnahme Neumünster an den drei großen Hochschulstandorten Flensburg, Kiel und Lübeck Flüchtlingsdörfer bauen wollte: Während am Uni-Standort Lübeck gegen 600 Flüchtlinge im Viertel protestiert wurde und die Landeshauptstadt sich noch vornehm zurückhielt, überlegte man auf dem Flensburger Campus schon, wie die Neuankömmlinge mit Sprachkursen und Willkommensfrühstück eingebunden werden sollten. Doch das Tempo der Flüchtlingsaufnahme des Landes seit der Sommerpause wurde so hoch, dass nach Neumünster mit Boostedt, Albersdorf, Seeth und zahllosen zusätzlichen Standorten mehr als 10.000 Plätze geschaffen wurden.

Jetzt stellt sich heraus: In Flensburg wird es „vorerst“ gar keine Erstaufnahme geben. Das Flensburg-Schleswiger Genossenschaftskonsortium aus Flensburger Arbeiter-Bauverein (FAB), Selbsthilfe-Bauverein(SBV Flensburg) und Gewoba Nord (Schleswig), das Anfang Mai ihr Engagement für Flüchtlinge als Investor für die Erstaufnahme angekündigt hatte, hat sich aus dem Ausschreibungsverfahren verabschiedet: „Ja, unsere Gruppe ist in der letzten Woche ausgestiegen, weil wir uns angesichts der neuen Situation in den vergangenen Wochen entschlossen haben, uns auf die Aufgaben in und für unsere Kommunen zu konzentrieren“, erklärte SBV-Chef Raimund Dankowski am Sonnabend. „Wir werden eine Vielzahl von neuen Wohnungen in den nächsten Jahren brauchen. Wir wollen dafür unsere ganze inhaltliche wie finanzielle Kraft einsetzen“, erklärte er weiter. Die Errichtung des Flüchtingsdorfes binde bei den Genossen zu viele Ressourcen, die an anderer Stelle dringend gebraucht würden. Allein die Stadt Flensburg schafft derzeit Platz für 1350 Asylsuchende nach der Erstaufnahme.

Offen ist, warum auch weitere Ausschreibungsteilnehmer, die bislang nicht bekannt wurden, ebenfalls ausgestiegen sind: „Wir waren nach Hinweisen davon ausgegangen, dass das Land ausreichend Bewerber hatte.“

Ohnehin galt das ausgesuchte hügelige und wasserreiche Gelände an der Flensburger Osttangente als schwierig und teuer zu erschließen. Und als das Ausschreibungsverfahren mit deutscher Gründlichkeit startete, verloren die privaten Interessenten offenbar die Geduld.

Bereits im Sommer hatte ein Flensburger Investor erklärt: „Die vorgegebenen Zeiten und Fristen sind nicht realisierbar, da allein schon das Grundstück durch die schlechte Qualität des Bodens und Probleme der öffentlichen Erschließung extrem zeit- und kostenraubend ist. Bezeichnenderweise gibt es darüber Gutachten.

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erstellt am 05.Okt.2015 | 12:42 Uhr

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