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Asylbewerber in Schleswig-Holstein : Flüchtlinge sollen in Kaserne ziehen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wohnungen und Heime für Asylbewerber sind überfüllt. In einer ehemaligen Bundeswehr-Liegenschaft soll eine neue Erstaufnahme-Unterkunft entstehen.

shz.de von
erstellt am 22.Aug.2014 | 12:56 Uhr

Die Flüchtlingsunterkünfte in Schleswig-Holstein platzen aus allen Nähten, und ein Abebben des Stroms von Menschen aus Ländern wie Syrien, Eritrea oder Afghanistan ist nicht in Sicht. Fast 3200 Menschen haben in diesem Jahr bis Ende Juli Asyl in Schleswig-Holstein beantragt – 68 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Verein Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein rechnet bis zum Ende des Jahres mit 5000 oder mehr Flüchtlingen. 2013 waren es gut 4000. Schleswig-Holstein will eine neue Erstaufnahme-Unterkunft für Flüchtlinge einrichten. 6,5 Millionen Euro will das Land in Erwerb und Sanierung der neuen Einrichtung stecken. Wo genau - das ist laut Innenministerium noch nicht klar.

„Der Migrationsdruck ist unvermindert hoch“, sagt Gerhard Stelke von der Bundespolizei-Inspektion Kiel. Erst am Donnerstag haben seine Kollegen auf der Vogelfluglinie 38 Menschen aufgegriffen, die auf der Flucht in Richtung Skandinavien waren. Mehr als 500 waren es in diesem Jahr schon – „mehr als im gesamten Jahr 2013“. Auch die Flensburger Bundespolizei greift täglich sechs bis sieben Menschen auf, die ohne Papiere auf der Durchreise nach Schweden oder Norwegen sind, wo sie auf Familienzusammenführung mit dort lebenden Angehörigen hoffen. In von Schleppern organisierten Transportern oder im Zug endet für sie häufig die Reise noch vor der dänischen Grenze.

„Gewissermaßen holen wir die Menschen erst einmal aus der Illegalität“, sagt Bundespolizist Stelke. Die in Schleswig-Holstein aufgegriffenen Flüchtlinge kommen zuerst nach Neumünster und stellen dort einen Asylantrag. Hier ist die zentrale Erstaufnahmestelle des Landes. Die 400 Plätze dort reichen hinten und vorne nicht, Container auf dem Gelände sollen mit einigen zusätzlichen Plätzen für Entspannung sorgen. Nach wenigen Wochen werden die Asylbewerber zwar im Land verteilt – doch auch in den Kommunen sind die Unterkünfte überfüllt. Mit „Oberkante Unterlippe“ umschreibt Thomas Giebeler, Sprecher von Innenminister Breitner (SPD), die Lage in den Gemeinden. „Alle Kommunen melden voll belegte Einrichtungen.“ Das Ministerium hat im April Abhilfe versprochen. 20 Millionen Euro sollen die Kommunen im kommenden Jahr für den Bau, Umbau oder die Modernisierung von Wohnungen und Heimen für Flüchtlinge abrufen können. Zwei Millionen Euro stehen in diesem Jahr zur Verfügung.

„Es ist gut, dass das Innenministerium reagiert“, sagt Andrea Dallek vom Flüchtlingsrat. Es sei aber auch höchste Zeit: „Wir wünschen uns, dass in Deutschland schneller auf die Krisen dieser Welt reagiert wird“, sagt Dallek. So wie aktuell auf die erwarteten Flüchtlinge aus dem Irak und den Palästinensergebieten. „Es ist abzusehen, dass die Zahl der Flüchtlinge von dort bald schnell zunimmt. Darauf müssen wir uns einstellen – nicht erst nach drei Jahren, wie beim Syrien-Konflikt.“

Weil die Erstaufnahmestelle in Neumünster bei weitem nicht mehr ausreicht, sucht das Land gerade geeignete Gebäude in Schleswig-Holstein. „Der Schwerpunkt liegt dabei auf ehemaligen Bundeswehr-Liegenschaften“, sagt Giebeler. Zielvorstellung: Die Zahl der Erstaufnahme-Plätze soll von jetzt 400 auf mindestens 800 verdoppelt werden. Wo diese neue Aufnahmestelle liegt, sei zunächst einmal zweitrangig, sagt Giebeler: „Da können wir im Moment nicht wählerisch sein.“

Einen Ausblick auf die weitere Entwicklung wagt das Land nicht. Gerhard Stelke von der Bundespolizei schätzt: „Die Zahl wird über einen langen Zeitraum zunehmen.“ Davon geht auch der Flüchtlingsrat aus. „Die Konfliktherde dieser Welt beruhigen sich nicht von heute auf morgen“, sagt Dallek. Auch auf innereuropäische Flüchtlings-Bewegungen – Stichwort Ukraine – müsse sich Deutschland in Zukunft einstellen.

 

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