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Flüchtlinge müssen im Zelt hausen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Landesunterkunft in Neumünster völlig überlastet / Flüchtlingsrat übt Kritik

Schon heute ziehen die ersten Flüchtlinge ein. Auf dem Gelände der Landesunterkunft in Neumünster werden bis zu 54 Männer in einem 200 Quadratmeter großen Zelt leben müssen, weil die Einrichtung völlig überlastet ist.

„Das Zelt ist eine temporäre Notlösung“, sagt Ove Rahlf, Sprecher des Innenministeriums. Das Land sei auf der Suche nach kurzfristiger Entlastung. Dabei kristallisiert sich die Rantzau-Kaserne in Boostedt bei Neumünster heraus. Dort fanden gestern Gespräche statt. „Die Lage ist optimal. 400 bis 500 Flüchtlinge könnten dort unterkommen“, so Rahlf. Die Entscheidung liege aber bei der Bundeswehr.

Das Land bemüht sich seit längerem, eine Zweigstelle für die Landesunterkunft zu finden. Neben Boostedt sind noch die Schill-Kaserne in Lütjenburg (Kreis Plön) und ein Gebäude des Marinefliegergeschwaders 5 in Kiel-Holtenau im Gespräch.

Sofort gab es gestern Kritik an dem Zelt. Der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein ist erbost, auch Stefan Schmidt, Landesbeauftragter für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen ist auf der Zinne: „Ich habe kein Verständnis dafür, dass die Landesregierung nicht in der Lage war, frühzeitig Kapazitäten zu schaffen, um eine Unterbringung von Schutzsuchenden in Zelten zu vermeiden.“ Angesichts der weltpolitischen Lage hätte man mit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen rechnen können, so Schmidt. Er fordert, dass die Flüchtlinge aus der Erstaufnahme noch schneller als bislang auf die Kommunen verteilt werden. Jörg Bülow vom Schleswig-Holsteinischen Gemeindetag will das genaue Gegenteil. „Die Menschen können in der Erstaufnahmeeinrichtung besser Sprachkurse bekommen, das Land muss schnell neue Kapazitäten schaffen, die Kommunen können das nicht.“ Die Gemeinden hätten schon jetzt Probleme mit der Unterbringung, sagt die Sprecherin des Kreises Ostholstein, Anja Sierks-Pfaff. „Auch bei uns ist es eng“, ergänzt der Sprecher des Kreises Nordfriesland, Hans-Martin Slopianka. „Noch haben die Gemeinden keine Container oder Zelte aufstellen müssen, aber wenn die Zahl der Asylbewerber weiter so ansteigt, werden wir wohl nicht darum herum kommen.“ In Kiel leben Flüchtlinge schon in Containern, in Hamburg ebenfalls schon in Zelten. Fast alle Kommunen versuchen die Asylbewerber dezentral unterzubringen – noch. „Wir wollen keine Ghettobildung“, sagt Rainer Stiemcke, Fachdienstleiter für Ordnungsangelegenheiten beim Kreis Schleswig-Flensburg.

Aber angesichts der eskalierenden weltpolitischen Konflikte könnte das Zelt in Neumünster nicht das letzte für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein sein. Allein gestern holte die Bundespolizei 38 Flüchtlinge aus einem Eurocity gen Skandinavien. Sie kamen aus Eritrea, Syrien, Äthiopien und dem Sudan. Kommentar Seite 2

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erstellt am 05.Sep.2014 | 13:54 Uhr

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