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Flüchtlinge: Diakonie und Kirche fordern mehr Personal

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

shz.de von
erstellt am 29.Apr.2015 | 12:39 Uhr

Die Nordkirche fordert angesichts rapide steigender Flüchtlingszahlen mehr Personal und mehr Geld für die Beratung der Migranten. „Nach Berechnungen der Diakonie müssen mindestens 14 weitere Vollzeitstellen geschaffen werden“, sagte Landespastor Heiko Naß gestern in Kiel. Das Land müsste dafür 780  000 Euro zur Verfügung stellen. Derzeit gebe es rund 60 Vollzeitstellen bei den Wohlfahrtsverbänden.

Nordkirche und Diakonie begrüßen die von der Landesregierung für den 6. Mai einberufene Flüchtlingskonferenz, zu der etwa 400 Teilnehmer in Kiel erwartet werden. Es sei jetzt dringend notwendig, „dass sich alle Gruppen an einen Tisch setzen und nach Lösungen suchen“, sagte der Schleswiger Bischof Gothart Magaard. Unter den Teilnehmern seien auch viele ehrenamtlich Aktive aus den Kirchengemeinden. Landesweit würden sich über 150 evangelische Kirchengemeinden in der Flüchtlingshilfe engagieren. „Mitunter sind das bis zu 40 Personen je Gemeinde“, so Maagard. Diese Ehrenamtlichen benötigen nach seiner Ansicht dringend hauptamtliche Ansprechpartner.

Der Bischoff des Sprengels Schleswig und Holstein kündigte zudem an, dass sich Kirche und Diakonie auf der Konferenz für einen längeren Aufenthalt in der Erstaufnahme in Neumünster einsetzen werden. Die Verweildauer müsse von derzeit zwei auf sechs bis acht Wochen ausgedehnt werden. Dann könnten die Ankommenden bereits vor der Verteilung auf Kreise und Kommunen zum Asylverfahren beraten werden. Außerdem gebe es dann mehr Zeit, um Traumatisierungen zu erkennen.

Für die Unterbringung in Kreisen und Kommunen fordert die Nordkirche nachdrücklich Mindeststandards. Statt Migranten gleichmäßig über das Land zu verteilen, sei es sinnvoller, sie dort unterzubringen, wo die Infrastruktur stimmt. „Man kann Flüchtlinge nicht auf jedes Dorf schicken“, sagte Maagard. Zwingend notwendig sei die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und die gute Erreichbarkeit ärztlicher Versorgung und Bildung

Scharfe Kritik äußerten Kirche und Diakonie an den Plänen von Ministerin Manuela Schwesig (SPD), unbegleitete minderjährige Flüchtlinge landes- und bundesweit umzuverteilen. Naß: „Das lehnen wir ab.“ Die Diakonie unterhalte im Norden vier Kompetenzzentren in Flensburg, Neumünster, Lübeck und Ostholstein. Hier seien Jugendlichen, die oft Gewalt und Trennungen hinter sich haben, am besten untergebracht „weil wir professionelle Helfer vorhalten“, so Naß.

Insgesamt hat die Nordkirche laut Magaard 3,2 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe bereitgestellt. Erst jüngst beschloss die Synode, in jedem der neun Kirchenkreise in Schleswig-Holstein einen hauptamtlicher Flüchtlingsbeauftragten einzustellen. Der Bischof legte zudem einen Leitfaden für die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit vor, der ab sofort in den Gemeinden verteilt wird. 

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