Fleisch für das gute Gewissen

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (3. v. l.) hat die Grüne Woche eröffnet. Die Niederlande sind Partnerland. Neben Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (l.) und Messe-Geschäftsführer Raimund Hosch (r.) war auch die niederländische Landwirtschaftsministerin Sharon Dijksma gekommen. Hamo
Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (3. v. l.) hat die Grüne Woche eröffnet. Die Niederlande sind Partnerland. Neben Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (l.) und Messe-Geschäftsführer Raimund Hosch (r.) war auch die niederländische Landwirtschaftsministerin Sharon Dijksma gekommen. Hamo

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18. Januar 2013, 01:14 Uhr

Berlin | Während Tierschützer und Gegner von Massentierhaltung auf der Internationalen Grünen Woche leidenschaftlich gegen die aus ihrer Sicht industrielle Landwirtschaft protestieren, rückt für die Lebensmittel-Konzerne in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern die Realisierung des Begriffs Tierwohl beim Schweinefleisch immer stärker in greifbare Nähe. Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hob die Bemühungen aller Beteiligten für das Tierwohl bei der gestrigen Eröffnung positiv hervor.

Famila ist Vorreiter beim Tierwohl, denn seit Mitte Januar findet man Fleisch und Wurst mit dem Label "Aktion Tierwohl" in den Kühlregalen der Einzelhandelskette. Schon lange haben beispielsweise Famila und Coop das Thema Tierwohl im Visier. Dabei arbeitet Famila eng mit Westfleisch zusammen. Der Konzern hat dabei seine seit 2010 dauernde Initiative in eine Marke gegossen und seinen Handelspartnern angeboten. Ziel war es, die Nische zwischen Bio und konventioneller Herstellung zu schließen.

Konkret sieht das so aus: Die Tiere erhalten viel mehr Raum im Stall. Der Freilauf der Muttertiere in der Gruppenhaltung ist gesichert. In den Erzeugerbetrieben muss ein tierärztlicher Gesundheitsplan eingehalten werden. Die Wasserversorgung der Tiere muss dauerhaft gesichert sein und die Transportzeiten sind begrenzt.

Auch Coop wird Anfang Februar Tierwohl-Schweinefleisch in mehreren Märkten anbieten. Damit ist es das erste Unternehmen Deutschlands, das das Tierwohl-Fleisch aus der Bedientheke anbietet.

Auch der Kieler Konzern hat bei der Entwicklung seiner Tierwohl-Grundsätze eng mit einem großen Fleischkonzern, Vion, zusammengearbeitet. Dabei ist in Schleswig-Holstein eine vorbildliche Entwicklungsarbeit bei der Landwirtschaftskammer in Futterkamp entstanden. Dort haben Vion, der deutsche Tierschutzbund, das Fiedrich-Loeffler-Institut, die Universitäten Kiel und Göttingen und der Verein zur Förderung der bäuerlichen Veredlungswirtschaft, VfZ, ein bahnbrechendes Projekt entwickelt. Das Ergebnis mit konkreten Tierwohl-Grundsätzen ist ab Februar in ausgewählten Testmärkten bei Coop erhältlich. Auch die hier angebotenen Artikel müssen einen Qualitätskatalog erfüllen, zu dem unter anderem mehr Freiraum für die Schweine, mehr Stroh, Kupierverbot oder der Einsatz von Antibiotika nur bei nachgewiesener bakterieller Infektion unter tierärztlicher Aufsicht gehören. Gerd Müller, Coop-Vorstandsvorsitzender, kündigte gegenüber unserer Zeitung an, das Sortiment sukzessive unter anderem auf Geflügel-SB-Ware auszuweiten.

Auch Edeka-Nord hat das Thema Tierwohl fest im Blick. Stephan Weber, Geschäftsführer des Fleischwerks in Valluhn, fordert allerdings eine Branchenlösung. "Für uns ist Tierwohl kein Marketing-Gag." Es sei eine Herausforderung für alle, die aber für den Verbraucher bezahlbar sein muss. Auch Edeka-Nord habe mehrere Betriebe auf Tierwohl-Haltung umgestellt, um Erfahrungen damit zu sammeln, sieht aber die enge Verzahnung von Produktion und Landwirtschaft im Gutfleisch-Programm, kombiniert mit der diesem Programm eigenen Transparenz, als Vorteil: Landwirtschaft und Handel haben hier eine Qualitätsphilosophie entwickelt, die getragen ist von Verantwortung für Mensch und Tier. Es sollte auf Dauer ein gemeinsames Label entwickelt werden, fordert Weber.

Die Grüne Woche ist ab heute bis zum 27. Januar für die Besucher geöffnet. 1630 Aussteller aus 67 Ländern der Welt sind vertreten. Das ist die höchste Länderbeteiligung in der Messegeschichte.

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