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Finger vorzeigen vor dem Essen

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erstellt am 09.Aug.2013 | 03:14 Uhr

Hamburg | Riesenärger um das Bezahlen per Fingerabdruck in Hamburger Schulkantinen: Nach einer Panne bei der Erfassung von Schülerdaten an einer Barmbeker Grundschule reagierten Eltern und Politiker empört. Das Elmshorner IT-Unternehmen People & Projects hatte sogenannte Fingerprints auch von Kindern eingelesen, deren Eltern das Verfahren ablehnen und das Bezahlen per Chipkarte vorziehen.

Der Vorsitzende der Hamburger Elternkammer, Gerrit Petrich, ist entsetzt: "Das geht gar nicht. Der Elternwille muss respektiert werden." Die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Karin Prien findet das Abrechnungsverfahren grundsätzlich fragwürdig. Sie fordert den Senat auf, das Bezahlsystem zu ändern. "Einfache Bezahllisten oder Chipkarten erfüllen ihren Zweck vollkommen."

Auch Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar hat sich eing eschaltet und prüft die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens, weil biometrische Daten ohne Einwilligung erhoben wurden. Caspar sieht das Verfahren aus pädagogis cher Sicht kritisch. Die Preisgabe biometrischer Daten werde für Kinder so schon früh zur Normalität.

Laut People-&-Projects-Sprecher Philip Tonne waren Fingerdaten einiger Grundschüler erfasst worden, deren Eltern das nicht gestattet hatten. "Das war eindeutig ein Fehler von uns, aber wir haben die Daten noch am selben Tag gelöscht." Die Elmshorner IT-Firma erledigt als Dienstleister die gesamte Kantinenverwaltung für Schulen.

An 20 Hamburger Schulen können Eltern bei der Bezahlung zwischen Chipkarte oder Fingerauflegen wählen. Laut Tonne handele es sich nicht um Fingerabdrücke, wie die Polizei sie nimmt. "Wir registrieren nur einige markante Punkte des Fingers und deren Beziehungen zueinander." Das Verfahren sei "absolut sicher gegen Missbrauch". Die Hamburger Schulbehörde bewertet das Bezahlverfahren als unkritisch. Unter einer Bedingung, wie wie Behördensprecher Peter Albrecht sagt: "Fingerscan gegen den Willen von Eltern ist verboten. Wenn aber eine Zustimmung vorliegt, darf auch mit Fingerscan bezahlt werden."

So sieht es auch das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD). Grundsätzliche Bedenken gegen das Fingerprint-Verfahren hegen die Kieler Datenschützer nicht. Henry Krasemann, beim ULD Leiter des Bereichs Gütesiegel, hält fest: "Voraussetzung muss nur immer sein, dass die Beteiligten eine Alternative haben und auch Nein sagen können."

People & Projects wickelt nach eigenen Angaben die Mensaverwaltung für rund 200 Sc hulen in ganz Norddeutschland ab, darunter etwa 30 in Schleswig-Holstein und 130 in Hamburg. Jede fünfte davon sei mit Terminals zur Abrechnung per Fingerabd ruck oder Chipkarte ausgestattet.

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