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Feuer-Drama: Polizei verfolgt heiße Spuren

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Brandstiftung: Trauer um getötete Mutter und Kinder

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2014 | 12:41 Uhr

Sie sind dem Brandstifter offensichtlich auf den Fersen: Zwei Tage nach dem verheerenden Feuer in einem Flüchtlingshaus in Hamburg-Altona ging die Kripo gestern mehreren erfolgversprechenden Spuren nach. Polizeisprecherin Ulrike Sweden: „Wir haben zahlreiche Hinweise von Zeugen erhalten. Es sind auch heiße Spuren dabei.“ So will eine Passantin gesehen haben, wie ein Unbekannter am Mittwochabend einen Kinderwagen im Eingangsbereich des Mehrfamilienhauses an der Eimsbüttler Straße anzündete. Beim schlimmsten Wohnungsbrand in Hamburg seit vielen Jahren waren eine Pakistanerin (33) und ihre Söhne (6 und 7) erstickt.

Inzwischen ist die zehnköpfige Polizei-Sonderkommission sicher, dass Brandstiftung vorliegt. Zwar fanden sich in den verkohlten Resten im Treppenhaus keine Spuren von Brandbeschleuniger. Vermutlich hat der Täter den Bezug des Kinderwagens mit einem Feuerzeug oder einem Streichholz angesteckt, von wo aus die Flammen auf einen Stromverteilerkasten in der Wand übergriffen. Nach bisherigem Ermittlungsstand löste das Feuer einen Kurzschluss in der Elektrik und eine Reihe von Blitzen aus, was erhebliche Rauchgasentwicklung zur Folge hatte. Giftiger und heißer Qualm breitete sich im Treppenhaus aus und schnitt den 30 Bewohnern den Fluchtweg ab. Die Feuerwehr rettete die meisten der Eingeschlossenen über Drehleitern; 15 Personen mussten wegen leichter Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus. Für die pakistanische Familie im Dachgeschoss kam jede Hilfe zu spät.

In den elf Wohnungen des Altbaus hatte der städtische Dienstleister Fördern & Wohnen Asylbewerberfamilien untergebracht, unter anderem aus Syrien, Afghanistan und Pakistan. Hinweise auf einen ausländerfeindlichen Anschlag gebe es bisher nicht, versicherte die Polizei. Auszuschließen ist ein solches Motiv aber weiterhin nicht. Daher ist auch der Staatsschutz in der Soko vertreten.

Hinweise auf Bedrohungen im Vorfeld des Feuers sind bei Fördern & Wohnen nicht bekannt geworden. Geschäftsführer Rembert Vaerst: „Es hat keine ernsthaften Schwierigkeiten mit der Nachbarschaft gegeben.“ Auch sei der Brandschutz des fünfstöckigen Gründerzeitbaus vorschriftsgemäß gewesen, das habe die Feuerwehr bestätigt.

Über den ganzen Tag verteilt kamen gestern mehrere hundert Menschen zu der unbewohnbaren Brandruine. Viele stellten Kerzen, Stofftiere und Schilder auf und gedachten der Opfer mit Schweigeminuten. Die Flüchtlingsbeauftragte der Nordkirche, Fanny Dethloff, sagte: „Wir haben unsere Sprachlosigkeit ausgedrückt. Dieser Tod erschüttert die Stadt.“

Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) zeigte sich bestürzt. „Dass bei dem Brand in Altona eine Mutter und zwei Kinder ihr Leben verloren haben, schmerzt alle.“ Mehrere Parteien und Gruppen haben für den heutigen Sonnabendg zu einem Trauermarsch für die Getöteten aufgerufen. Start ist um 13 Uhr am Bahnhof Sternschanze.

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