Fehlende Plätze in Kindertagesstätten: Kritik an falschen Bürgermeister-Prognosen

Margret Kiosz von
01. Juni 2014, 14:23 Uhr

In vielen Regionen Schleswig-Holsteins fehlen Kita-Plätze für die größeren Kinder. Betroffene Eltern finden die Entwicklung gar nicht lustig. Eine Kieler Mutter berichtet, dass sie immer noch nicht weiß, in welchen Kindergarten ihre Tochter im August kommt. Das Mädchen, das im Juni drei Jahre alt wird, wurde bislang von einer Tagesmutter betreut. „Die Kita hat mir unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass Kinder aus der Krippengruppe, die drei Jahre alt werden, absolut Vorrang haben bei der Vergabe der Kitaplätze“, berichtet die Mutter. Sie empfinde das als Erpressung. Nur wer sein Kind in die Krippe der Einrichtung gebe, bekomme später dort auch einen Kita-Platz. „Die anderen werden irgendwie verschoben.“ Die Folgen sind oft für die Eltern fatal, weil auf diese Weise nicht einmal Geschwisterkinder einen Platz in der selben Kita bekommen.

Überraschend kommt diese entwicklung für Jörg Bülow, Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetages, nicht. Denn die Bürgermeister im Norden haben laut Bülow zwei Entwicklungen falsch eingeschätzt: Die Zahl der Kinder geht in einigen Landesteilen – etwa im Hamburger Rand, aber auch in Kiel, Flensburg, Neumünster und Lübeck, ja sogar im Kreis Ostholstein – ganz offensichtlich nicht so stark zurück, wie zunächst angenommen. Und andererseits steigt die Zahl der Kita-Kinder selbst dort, wo der demographische Wandel voll durchschlägt. Der Grund: Früher sind zwar auch über 90 Prozent der Vier- und Fünfjährigen in der Kita gewesen, aber bei den Dreijährigen lag die Quote bei nur 60 Prozent. Diese Quote steigt jetzt rapide an, weil die Kinder aus der Krippe nahtlos in die Kita überwechseln, berichtet Bülow. Derzeit liegt sie schon bei über 70 Prozent.

Doch damit nicht genug: Waren früher Eltern mit einer Vier-Stunden-Betreuung – womöglich auch am Nachmittag – zufrieden, benötigen viele Berufstätige heute einen Platz von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends. „Auch das erfordert nicht nur personelle, sondern auch räumliche Kapazitäten“, so Bülow. Eine Entwicklung, die man auch im zuständigen Sozialministerium beobachtet. „Wir brauchen in einigen Kommunen mehr Kita-Plätze“, räumt Ministeriumsmitarbeiter Frank Strutz-Pindor ein.

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