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Familie findet Sprengstoff am Strand

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erstellt am 16.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Schönberg | An der Ostsee ist wieder hochgiftige Schießwolle angespült worden. Eine Familie aus Niedersachsen war vor einer Woche am Schönberger Strand (Kreis Plön) auf den Sprengstoff gestoßen. Der Klumpen in der Größe eines Ziegelsteins lag im Ortsteil Kalifornien am Fuß einer Mole im Sand. Zuletzt hatte ein Junge aus Baden-Württemberg im Juli 2012 einen ähnlich großen Klumpen Schießwolle gefunden und mit in die Ferienwohnung genommen.

Der Sprengstoff stammt aus alten Munitionsbeständen, die nach dem Zweiten Weltkrieg vor Heidkate in der Kieler Bucht versenkt wurden. Um die langsam durchrostenden Hülsen zu vernichten, gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Sprengungen - die von Umweltschützern scharf kritisiert werden. "Die Munition wird dabei ja ganz offensichtlich nicht vollständig zerstört, sondern weiträumig verteilt", sagt Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbund Nabu. Sie gelange an die Küste und gefährde Strandbesucher.

Laut Landeskriminalamt schwimmt Schießwolle aber nicht, könne also auch nicht an Land gespült werden. Die Experten dort glauben, Hobbytaucher könnten sie mitgebracht und am Strand entsorgt haben, nachdem sich ihre Hände oder Handschuhe gelb verfärbt hatten - ein typisches Merkmal der Schießwolle, "Kaisergelb" genannt. Sie wurde 1936 entwickelt und ist eine gießbare Mischung aus TNT, Hexanitrodiphenylamin und Aluminium, die vor allem in Torpedos und Seeminen zum Einsatz kam. Ludwichowski: "Die beiden ersten Substanzen sind bei Berührung mit bloßer Haut extrem giftig. Leberschäden und Veränderungen der Blutkörperchen sind möglich. Die Explosivstoffe gelten zudem als krebserregend und erbgutschädigend."

Die Familie aus Niedersachsen recherchierte glücklicherweise im Internet, rief dann den Kampfmittelräumdienst, der den Fund sicherstellte.

Der Nabu fordert vom Land, gefährdete Strände regelmäßig abzusuchen, und vom Bund, auf Sprengungen zu verzichten und die Munition zu heben.

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