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Betrugsverdacht : Falsche Lehrerin unterrichtet jahrelang in Norddeutschland

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In Schleswig-Holstein ist eine 48-Jährige im Jahr 2013 schon überführt, trotzdem arbeitet sie in Mecklenburg-Vorpommern als Lehrerin weiter. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt erneut.

Kiel | Ihre eigenen Abschlüsse sind wohl gefälscht, als Lehrerin verteilte sie aber Zeugnisse an Schüler. Ein Aufreger. Doch es wird noch kurioser: Die 48-Jährige wird bereits 2013 in Schleswig-Holstein suspendiert, arbeitet danach aber in Schulen in Mecklenburg-Vorpommern weiter – während die Staatsanwaltschaft Kiel gegen sie ermittelt und sie bereits ihren Beamtenstatus verloren hatte.

Nach den bisherigen Ermittlungen hat die 48-Jährige ihren Abschluss gefälscht, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kiel am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa sagte. Die Behörde ermittele wegen Betrugs und Urkundenfälschung, die Ermittlungen stünden kurz vor dem Abschluss. Nach früheren Angaben des Kieler Bildungsministeriums hatte sie 1990 ihr Diplom in Deutsch und der – als Propagandafach geltenden – Staatsbürgerkunde abgelegt, daraus aber „Sozialkunde“ gemacht.

Der erste Hinweis, dass mit den Zeugnissen der Frau etwas nicht stimmen kann, sei von einer Schulbehörde in Schleswig-Holstein gekommen. Auch vom Landesprüfungsamt Nordrhein-Westfalen sei eine Strafanzeige eingegangen.

Die aus Wismar stammende Frau hat der Staatsanwaltschaft zufolge unter anderem an Gymnasien in Mölln und Lübeck unterrichtet. Laut NDR stand die falsche Kunst- und Deutschlehrerin auch in Vorpommern vor Klassen. In Brandenburg und Berlin soll sie ebenfalls unterrichtet haben. Zuletzt war sie an Schulen in Lübstorf und Bad Kleinen (Nordwestmecklenburg) beschäftigt.

Dem Schulleiter in Mölln, wo die Frau von 2008 bis Ende 2012 am Marion-Dönhoff- Gymnasium unterrichtete, war die Diskrepanz zwischen ihren guten Examensnoten und dem Auftreten an der Schule aufgefallen. „Die Performance war ganz anders als die Bewertung“, hatte der Sprecher des Kieler Bildungsministeriums, Thomas Schunck, im Mai 2013 gesagt, als in Schleswig-Holstein bereits über den Fall berichtet worden war. Im Februar wurde ihr demnach der Beamtenstatus entzogen. Das Land fordert von ihr alle Bezüge seit 2008 zurück – rund 200.000 Euro.

Laut NDR wechselte sie im März 2013 nach Nordwestmecklenburg. Wie ein Sprecher des Schweriner Bildungsministeriums sagte, konfrontierte die Schulbehörde die Frau mit den Vorwürfen, die daraufhin im August 2013 einem Auflösungsvertrag zustimmte. Wie NDR 1 Radio MV berichtete, informierte das Schulamt Schwerin bis heute weder die Lehrerkollegen noch Eltern und Schüler über den wahren Grund des Ausscheidens der Frau aus dem Schuldienst. Auch das Bildungsministerium habe von sich aus nicht über den Fall aufgeklärt.

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erstellt am 08.Jan.2014 | 13:49 Uhr

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