zur Navigation springen

Falsche Lehrerin trickst Schulbehörden aus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In Schleswig-Holstein wegen Betrugsverdachts entlassen – dann in Schwerin wieder eingestellt

shz.de von
erstellt am 09.Jan.2014 | 00:34 Uhr

Mit gefälschten Staatsexamina erschlich sich Maud M. (48) jahrelang Anstellungen an verschiedenen Schulen in Norddeutschland – und trickste dabei sogar Schulbehörden aus. Denn als die falsche Lehrerin für Deutsch und Wirtschaft/Politik Ende 2012 am Möllner Marion-Dönhoff-Gymnasium aufflog und ihr im Februar 2013 der Beamtenstatus aberkannt wurde, bewarb sie sich einfach im Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern – und wurde tatsächlich eingestellt.

Nur einen Monat später stand die falsche Pädagogin vor Kindern an der Regionalschule in Lübstorf bei Schwerin. Zeitweise half sie auch für ein paar Stunden in der Woche an der Schule im benachbarten Bad Kleinen aus. Das bestätigt Henning Lipski, Sprecher des Schweriner Kultusministeriums. Während ihrer kurzen Unterrichtszeit in Lübstorf fiel die Frau vor allem durch ein gesundes Selbstbewusstsein auf. Denn als im Frühjahr noch kein Nachfolger für den ausscheidenden Schulleiter in Sicht war, brachte sie sich ins Gespräch. Dazu ist es aber nicht gekommen.

Dass mit der Frau etwas nicht stimmt, sei in den Bewerbungsunterlagen nicht zu erkennen gewesen. „Im polizeilichen Führungszeugnis gab es keine Einträge. Und in Schleswig-Holstein wurden die Daten, die zur Aberkennung des Beamtenstatus’ geführt hatten, aus Datenschutzgründen nicht in der Akte vermerkt“, so Lipski.

Erst als die Kieler Staatsanwaltschaft im August 2013 bei der Bildungsbehörde in Schwerin nachfragte und die Personalakte anforderte, sei im Schweriner Kultusministerium der Stein ins Rollen gekommen. Daraufhin wurde der falschen Lehrerin nahegelegt, einen Auflösungsvertrag zu unterschreiben. Offiziell aus „persönlichen Gründen“.


„Die Zeugnisse sind eindeutig gefälscht“


Dabei hätte die Einstellung von Maud M. an der Lübstorfer Schule vermieden werden können. Nach Informationen unser Zeitung hatte eine Mitarbeiterin des Personalreferats im Kieler Bildungsministerium bereits Anfang 2013 im Rahmen ihrer Ermittlungen in Schwerin nachgefragt, da Maud M. vor ihrer Zeit in Schleswig-Holstein an einer Schule in Wolgast gelehrt hatte. „Die Kollegin versuchte, in Schwerin zu recherchieren“, bestätigt Patricia Zimnik vom Kieler Kultusministerium. Zudem sei der Fall bundesweit durch die Presse gegangen.

Die Kieler Staatsanwaltschaft wird die Ermittlungen wegen Betrug und Urkundenfälschung in etwa drei Wochen abgeschlossen haben. Wie Staatsanwalt Michael Bimler mitteilt, ist die Beweislast erdrückend: „Die Zeugnisse sind eindeutig gefälscht.“

Der erste Hinweis, dass mit den Zeugnissen der Pädagogin etwas nicht stimmt, kam aus Mölln, wo die Frau von 2008 bis Ende 2012 am Marion-Dönhoff-Gymnasium lehrte. Dem Schulleiter war die Diskrepanz zwischen ihren guten Examensnoten und dem Auftreten an der Schule aufgefallen.

Die 1965 in der ehemaligen DDR geborene Frau hatte 1990 – nach der Wende, aber noch vor der Wiedervereinigung – ihr Diplom in Deutsch und Staatsbürgerkunde abgelegt. Da Letzteres als Propagandafach galt, machte sie daraus in einem ersten Täuschungsschritt „Sozialkunde“. Später fälschte sie dann Abschlüsse im ersten und zweiten Staatsexamen an einer nordrhein-westfälischen Hochschule.

Anfang 1991 erschlich sich Maud M. dann in Vorpommern den Einstieg in den Schuldienst, arbeitete am Gymnasium in Wolgast. Nach 1994 wechselte sie nach Brandenburg, 2008 schließlich nach Schleswig-Holstein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen