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Fahnen wehen schwarz-grün

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erstellt am 04.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Hamburg | Die Gospelsängerin hat es schwer, als die prominenteste deutsche Protestantin die Messehalle B5 auf dem Hamburger Messegelände betritt. Mit stehenden Ovationen und rhytmischem Klatschen begrüßen die bis zu zehntausend Besucher in der überfüllten Halle Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Der Auftritt der Kanzlerin hat auf Kirchentagen Tradition: Seit dem Bremer Protestantentreffen 2009 ist Angela Merkel auf allen evangelischen Großveranstaltungen zu Gast gewesen, und immer waren die Hallen überfüllt.

Mal Merkel gucken ist "in" unter Deutschlands Protestanten. Auch in Hamburg enttäuscht Merkel die Kirchentagsbesucher nicht. Vor den auf Papphockern sitzenden Zuhörern plädiert die Bundeskanzlerin für Nachhaltigkeit, fordert eine effizientere Entwicklungshilfe und warnt vor einer Welt, "die auf Kosten der Zukunft lebt." Applaus. So sehen das auch die seit vielen Jahrzehnten für Gerechtigkeit, Frieden und eben Bewahrung der Schöpfung eintretenden Kirchentagsbesucher. Die Kanzlerin lobt die Energiewende. Wieder Applaus. Dass Kirchenleute und engagierte Christen lange dafür gekämpft haben, dass sich auch in Deutschland die Energiewende durchsetzt, scheint vergessen. "Uns wird es auf Dauer nur gut gehen, wenn es auch unseren Kindern gut geht." Merkel erklärt den Christen, die ein Zeichen setzen und politisch diskutieren wollen, die große, weite Welt.

Szenenwechsel. Die ehrwürdige Hauptkirche St. Michaelis ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Durch den Altarraum betritt der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück die Kirche, der frühere Kirchentagspräsident Eckhard Nagel und der Schweriner Bischof Andreas von Maltzahn begleiten ihn. Zur Podiumsdiskussion über die Krise der Finanzmärkte trägt Steinbrück den blauen Kirchentagsschal wie eine Stola über den schwarzen Anzug. Applaus brandet auf. Doch Steinbrück hat noch Zeit. Erst reden andere: Als der Grünen-Europapolitiker Sven Giegold gegen Lobbyisten wettert, und "eine Trennung des großen Geldes von der Politik" fordert, tobt der Saal. Dann ist der Kanzlerkandidat an der Reihe, fordert stärkere Bankenregulierung, intensivere Bankenaufsicht und sagt Unbequemes: "Es gibt zukünftig Preise, die man nicht verbieten sollte." Etwa die Spekulationen der Fluggesellschaften auf Kerosinpreise. Doch die Kirchentagsbesucher überzeugt er nicht. Steinbrücks Applaus bleibt spärlich, in der Podiumsdiskussion meldet er sich kaum. Nur als sich der Moderator einen Versprecher leistet, und Steinbrück sagt: "Stellen Sie sich vor, das hätte ich gesagt!", bringt er den Michel zum Lachen. Punkte für den Kampf ums Kanzleramt konnte er wohl nicht sammeln - die blauen Fahnen des Kirchentags scheinen für Schwarz-Grün zu wehen.

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