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Fahnen-Choreografie zum Ende

vom

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Irgendein Treffen zum City-Ikea in Altona habe ich diese Woche verpasst. Von irgendeiner Fraktion oder so veranstaltet, mit den üblichen Verdächtigen: Zwischen pöbelnden Alt-Ottenser Freaks, brummbärig-oberlehrerhaften Bürgerinitiative-Veteranen und händeringend diplomatischen Ikea-Sprechern war wohl mal wieder alles vertreten. Ende offen. Ich machte lieber eine Feldforschung und streifte mit meinem neuen Crossrad um den Megabau in der Neuen Großen Bergstraße. "Idioten kaufen einfach alles", so der simple und doch irgendwie philosophische Spruch am Bauzaun: Viel Einfluss darauf, ob ein solches Projekt sinnvoll oder unsinnig ist, haben nun einmal die Verbraucher! Riesenhafte Betonpfähle wurden in den Boden gerammt, bald wird die Fassade drumherum entstehen, Bagger und Kräne laufen längst heiß. Wie ein Fels in der Brandung, Relikt einer anderen Zeit, steht gegenüber noch der Klamottenladen Paul Hundertmark. Generationen hat er rein und wieder rausgelassen. Noch immer gibt es hier - seit 1970 - die gute alte Wrangler-Jeans, Cowboy-Boots oder trashige Jogginganzüge mit großen Lettern. Ob der Laden Opfer der neuen Siedlungspolitik in dieser früher eher verwegenen Einkaufsmeile werden wird, wird sich zeigen. Die alte Rindermarkthalle an der Feldstraße ist noch so ein Ort der Erinnerung - und des Wandels. Mitte der 80er ging an dieser Ecke zwischen Millerntor, Hafenstraße und Karoviertel die subkulturelle Post ab. Jahrzehntelang horteten und schützten hier Supermarktriesen wie Plaza oder später Real-Markt ihre zahlreichen Waren. Davor hatten die Viecher eingepfercht auf ihren unterirdischen Gang zum Schafott auf den Schlachthof gewartet. Nun hecken die Planer etwas Neues in den alten, leerstehenden Hallen aus: einen dem Stadtteil angemessenen multikulturellen wie lokalen Markt, nach Vorbild des Mercado in Altona. Schon gibt es den ersten Stress: Für einen festen Marktstand müssen Bewerber zwischen 30 und 50 Euro je Quadratmeter Ladenfläche zahlen. Die monatliche Miete hängt von der Branche sowie vom Umsatz ab. Je besser der Laden läuft, desto höher die Miete. Hinzu kommen Einmalzahlungen zwischen 27 000 und 67 000 Euro. Immerhin: Es soll viel Frisches und Bio geben; man wolle gerade Existenzgründern eine reelle Chance geben. Tolle Aktion des HSV-Anhangs vor der tollkühnen Fahnen-Choreografie heute beim letzten Bundesliga-Saisonspiel: 40 000 Euro hatten sie im Rahmen des Förderprojekts "Hamburger Weg" für das Kinderhospiz "Sternenbrücke" gesammelt. Über die gesamte Saison hatten Käufer von HSV-Heimspieltickets die Möglichkeit, einen zusätzlichen Euro an das Hospiz zu spenden. Vom Geld soll ein neues Spielzimmer eingerichtet werden. Am Dienstag nun rückten Bürgermeister Olaf Scholz und alle HSV-Profis in kompletter Maler-Montur an und strichen den neuen, schmucken Raum. "Wir und unsere Familien im Haus freuen uns sehr, dass die Mannschaft des HSV den Freizeitraum der Sternenbrücke mit Pinsel und Farbe wieder zum Strahlen bringt", freute sich Hospizleiterin Ute Nerge. Das Besondere der "Sternenbrücke": Als Rückzugsort leben und spielen hier auch phasenweise die Geschwisterkinder und begleiten den letzten Weg ihrer geliebten Brüder und Schwestern.

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