Umstrittene Regelung : EU-Agrarreform macht Bauern zu Umweltsündern

Ein Trecker pflügt ein Feld.
Für die Landwirte geht es um Flächen und Millionen.

Eine Agrarreform könnte hunderttausende Hektar Ackerfläche kosten. Landwirten in SH drohen Millionenkosten.

shz.de von
14. Mai 2015, 19:47 Uhr

Kiel | Schleswig-Holsteins Felder sind in den vergangenen Wochen schwärzer geworden. Eine umstrittene Agrarreform der Europäischen Union (EU) zwingt die Bauern zum massenhaften Umbrechen von Grünflächen – und zum Verstoß gegen Brüssels eigene umweltpolitischen Ziele. Für die Landwirte geht es um Flächen und Millionen.

„Das ist kontraproduktiv“, sagt Stephan Gersteuer, Generalsekretär beim Bauernverband. Die umstrittene Regelung der EU betrifft Flächen, die Landwirte freiwillig begrünt und damit auch zum Umwelt-, Gewässer- und Klimaschutz beigetragen haben. Nach fünf Jahren sollen sie als Dauergrünland eingestuft werden. Ihren Status als Ackerland wären sie damit aber los.

Gleiches gilt für Flächen, auf denen Bauern beispielsweise Ackergras fürs Verfüttern angebaut haben. Dauergrünland darf aber nicht mehr umgebrochen werden – für die Bauern wären die Flächen somit tabu. Finanziell ist das bitter. „Es ist vom Pachtwert her ein erheblicher Unterschied zwischen Ackerland und Grünland“, sagt Gersteuer. Werden für einen Hektar Ackerland im Norden bis zu 500 Euro als Jahrespacht gezahlt, sind es für Grünland keine 300 Euro. Eigentümer müssen also mitansehen, wie ihr Land auf einen Schlag weniger wert ist.

Pächtern wiederum drohen Schadensersatzklagen in Millionenhöhe. Sie wären schließlich verpflichtet, die gepachteten Flächen zu erhalten – als wertvolles Ackerland, nicht als günstigeres Dauergrünland. Als im „Sinne des Eigentums- und Vertrauensschutzes völlig inakzeptabel“, geißelt daher auch das Bundespräsidium des Bauernverbands die Regeln aus Brüssel. Auch dem Klimaschutz würde wohl ein Bärendienst erwiesen werden. Durch das massenhafte Umbrechen wird Gersteuer zufolge klimaschädliches Stickstoff freigesetzt.

Wie groß das Ausmaß ist, wird sich zeigen. Heute endet die Antragsfrist für die diesjährigen Agrarbeihilfen. „Wenn ich jetzt zum sechsten Mal Gras angebe, habe ich die Fläche verloren“, so Gersteuer. Bundesweit soll es um Flächen von gut einer Million Hektar gehen. Insgesamt werden in Deutschland 17 Millionen Hektar Fläche landwirtschaftlich bearbeitet.

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