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Esso-Häuser: Bezirksamt lässt Wohnungen räumen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ab Montag sollen Umzugsfirmen die letzten Habseligkeiten aus den einsturzgefährdeten Gebäuden holen

shz.de von
erstellt am 03.Jan.2014 | 12:52 Uhr

Seit ihrer Evakuierung Mitte Dezember stehen die Esso-Häuser auf St. Pauli leer. Von Montag an sollen die restlichen 75 Wohnungen geräumt werden – nicht alle auf einmal, um die maroden Gebäude nicht überzustrapazieren. „Bevor es losgeht, werden Statiker die Gebäude noch einmal überprüfen“, sagt Norman Cordes vom zuständigen Bezirksamt Mitte. Als die Experten Mitte Dezember zuletzt in den Häusern waren, sei festgestellt worden, dass die Beobachtungen der Mieter durchaus plausibel gewesen seinen könnten. Zwei Bewohner hatten damals unabhängig voneinander bei der Polizei angerufen, weil ihre Wände wackelten und Putz von der Decke fiel. Da die maroden Gebäude einsturzgefährdet sind, dürfen die Bewohner beim Auszug nicht mit anpacken. Vielmehr werden professionelle Umzugsunternehmen beauftragt.

15 Mietparteien sind bereits in neue Wohnungen gezogen. Das Bezirksamt Mitte geht davon aus, dass im Januar und Februar weitere 20 Parteien folgen werden. „Für den Rest werden derzeit noch Wohnungen gesucht“, sagt Norman Cordes. Einer von ihnen ist Isa Erki. Der 22-Jährige lebt seit drei Wochen aus dem Koffer. „Ich bin mit meiner Freundin und meinem Bruder privat untergekommen. Meine Eltern wohnen aber noch im Hotel“, erzählt er. Ein paar Wohnungsangebote hätten sie schon bekommen. Etwas Passendes sei aber bisher nicht dabei gewesen. „Wir leben schon seit 25 Jahren hier. Ich bin hier geboren. Meine Eltern arbeiten hier – wir können nicht weit weg an den Hamburger Rand ziehen“, sagt er. So geht die Suche der Familie weiter. Möbel und Hausrat werden derweil eingelagert – auf Kosten des Investors, der Bayrischen Hausbau. Seit 2009 gehören dem Unternehmen die Esso-Häuser.

Wann genau die beiden Sechzigerjahre-Wohnblöcke abgerissen werden, steht noch nicht fest. Der Antrag liegt zur Zeit dem Bezirksamt Mitte zur Prüfung vor. „Wir werden noch im Januar eine Entscheidung treffen“, ist Cordes zuversichtlich. Der Stadtteil St. Pauli fällt unter die soziale Erhaltungsverordnung der Stadt Hamburg. Sie soll Stadtteile mit alteingessenen Bewohnerstrukturen beispielsweise vor spekulativen Investoren schützen und Wohnraum bezahlbar bleiben lassen. „Wir werden wahrscheinlich noch im Januar eine Entscheidung treffen“, sagt Norman Cordes.

Zuletzt waren Isa Erki und seine Familie vor knapp zwei Wochen in ihrer Wohnung. „Wir konnten ein paar Sachen holen und den Kühlschrank leer räumen“, erzählt er. Schließlich sei der doch voller Einkäufe für das Weihnachtsessen gewesen. „Wir konnten fast alles wegschmeißen.“ Dass sie nie wieder in ihre Wohnung zurückkehren werden, hätten sie inzwischen akzeptiert. „Wir haben uns auch mit dieser Übergangslösung im Hotel arrangiert, aber die Stimmung ist im Keller“, sagt Isa Erki. Besonders Weihnachten und Silvester seien hart gewesen. „Wir hoffen, dass wir jetzt einfach bald wieder zur Ruhe kommen können.“

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