Es fehlen Ingenieure

Für die dicken Pötte muss er breiter werden:     Der Nord-Ostsee-Kanal. grafikfoto.de
Für die dicken Pötte muss er breiter werden: Der Nord-Ostsee-Kanal. grafikfoto.de

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31. Januar 2013, 01:14 Uhr

Kiel/Hamburg | Vor zehn Monaten schien die Welt endlich in Ordnung zu kommen am Nord-Ostsee-Kanal. Der Bundesverkehrsminister war angereist, um höchstselbst den ersten Spatenstich für die fünfte große Schleusenkammer in Brunsbüttel zu setzen. "Völlig überfällig" nannte Peter Ramsauer (CSU) das Projekt, zu dem er "voll und ganz" stehe. Von einem "großen Tag" schwärmte beim obligatorischen Fototermin der Präsident der Wasser- und Schifffahrtsdirektion (WSD) Nord, Hans-Heinrich Witte.

Doch die Euphorie aus dem April 2012 ist längst verflogen. Nichts geht voran am Kanal, dessen Komplett-Ausbau mit Kosten von 1,25 Milliarden Euro veranschlagt ist. Weder bei der Erneuerung der über 100 Jahre alten Schleusen, noch bei der Oststrecke des Kanals, deren Ausbau auf der Agenda von Kanalplanern und Verkehrspolitikern steht. 300 Millionen Euro hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages für die Schleuse Brunsbüttel in Aussicht gestellt. Doch noch nicht einmal die möglichen Zuschüsse für das Vorhaben aus Brüssel, immerhin zehn Prozent der Investitionskosten, haben Ramsauers Kanalplaner bisher beantragt, weil es bei der Ausschreibung des Projekts hakt.

"Ziemlich verfahren" sei das Ganze, klagte der Kieler Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele gestern im zuständigen Fachausschuss des Landtags. Der Spatenstich sei gesetzt worden, obwohl damals noch nicht einmal die Unterlagen für die Ausschreibung des Projekts vorlagen. "Nichts" sei seither passiert an den Schleusen der meistbefahrenen Wasserstraße der Welt. Ramsauers Bekenntnisse zur "herausragenden Rolle" des Kanals für den gesamten nord europäischen Wirtschaftsraum wirken da wir leere Worthülsen. "Es gibt", konstatierte Nägele vor den Abgeordneten des Kieler Verkehrsausschusses, "unterschiedliche Einschätzungen zur Bedeutung des Kanals zwischen Bund und den norddeutschen Ländern." Probleme sieht Nägele auch bei der "Priorisierung der Mittelvergabe". Doch der WSD fehlt das Personal, um die Ausschreibung voranzutreiben und anschließend den Bau zu überwachen. Wann es vorangeht auf dem Kanal, steht deshalb offenbar weiter in den Sternen. Real sind dagegen die Verluste für Unternehmen. Spitzenvertreter des Containerzubringers Unifeeder klagten im Verkehrsausschuss über gesperrte Schleusen, Wartezeiten von bis zu 24 Stunden und enorme Zusatzkosten in zweistelliger Millionenhöhe.

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