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Diskussion wegen Sylter Geburtshilfe : Ersatzkassen wollen noch weniger Geburtskliniken in SH

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Schwangere Sylterinnen müssen zur Entbindung aufs Festland. Das empört viele – aber nicht den Ersatzkassen-Verband. Der Grund: die hohe Säuglings-Sterblichkeitsrate in Schleswig-Holstein.

Kiel | Der Verband der Ersatzkassen (vdek) in Schleswig-Holstein hat sich für eine Zentralisierung der Geburtshilfe ausgesprochen. Unter den Bundesländern liegt Schleswig-Holstein mit einer Säuglings-Sterblichkeitsrate von 2,9 Promille auf dem drittletzten Platz, sagte Sprecher Florian Unger am Mittwoch. Mehr Säuglinge sterben nur in Niedersachsen und Bremen.

Als Grund für die Entwicklung macht der Ersatzkassen-Verband die im Gegensatz zu anderen Ländern im Norden versäumte Konzentration der Geburtskliniken aus. „In Einrichtungen mit weniger als 500 Geburten ist die Säuglingssterblichkeit im Vergleich zu Häusern mit mehr als 1500 Geburten 3,5 Mal so hoch“, sagte Unger. Sinnvoll wäre nach Ansicht des Verbandes eine Konzentration auf sogenannte Perinatalzentren, die auch über Kinderkliniken verfügen.

Bei den kleinsten unter den 23 Geburtskliniken im Land – Wyk auf Föhr (50 Geburten pro Jahr), Oldenburg (150), Niebüll (knapp 200), Preetz (300) und Ratzeburg (350) – ist das nicht der Fall. Auf Nachfrage von shz.de konnte Unger allerdings nicht sagen, wann es dort die letzten Todesfälle gegeben hat.

Gesundheitsministerin Kristin Alheit äußerte sich am Mittwoch ähnlich. Sie hatte sich zwar intensiv für einen Erhalt der Geburtshilfe vor Ort eingesetzt, betonte aber am Mittwoch: „Alle Beteiligten sollten sich bewusst machen: Es geht dabei um Gesundheit und Leben eines Neugeborenen und seiner Mutter und nicht nur um Wege und Zeit.“ Auf Sylt gab es zuletzt 90 Geburten im Jahr. Seitens der Klinik war dieser entscheidende Grund für den Ausstieg allerdings erst sehr spät deutlich gemacht worden, so Alheit.

Das Gesundheitsministerium hat rechtlich prüfen lassen, ob eine Durchsetzung der Krankenhausplanung gegen den Willen der beteiligten Nordseeklinik möglich ist. Das vorliegende Ergebnis bestätigt die bisherige Auffassung des Ministeriums: ein entsprechender Versorgungsauftrag gilt zwar grundsätzlich unbefristet, in diesem Fall besteht jedoch keine Möglichkeit, den Klinikbetreiber auf Sylt zur Erfüllung der Planung zu zwingen, weil ein solcher Versuch mit einem nicht tragbaren medizinischem Risiko verbunden wäre.

Erst Ende 2013 wurde die Geburtshilfestation an der Sylter Nordseeklinik geschlossen. Die Geburtenzahl im Land ist in den vergangenen Jahren von 26.000 (1994) auf zuletzt rund 18.000 gesunken.

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erstellt am 15.Jan.2014 | 18:08 Uhr

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