Enthüllung

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26. Januar 2013, 01:14 Uhr

M anfred Ertel ist der neue Aufsichtsratsboss des Hamburger SV. Dazu ernannte ihn das elfköpfige Kontrollgremium in dieser Woche. Ertel war zuvor zwar schon Vize-Chef des Gremiums, doch nun stieg er als ihr Sprecher zum "Primus inter pares" auf, wie er sagte. Ertel ist Redakteur bei Deutschlands führendem Magazin für Investigativstories "Der Spiegel". Nach der Erlaubnis durch den Arbeitgeber gefragt, antwortete der Redakteur im Auslandsressort dem "Abendblatt": "Mir ist sehr wichtig, dass ich meine private Leidenschaft für den HSV und mein berufliches Engagement für den ,Spiegel in keiner Weise vermische." HSV-Aufsichtsrat und private Leidenschaft, wie bitte? Zur Erinnerung: Es handelt sich um ein Sportunternehmen mit einem Umsatz von 128,8 Millionen Euro. Zudem: Der HSV hat die vergangenen beiden Geschäftsjahre ein Minus von 4,9 und 6,6 Millionen Euro gemacht. Für 2012/2013 droht sogar ein noch größerer Fehlbetrag. Viele weitere Millionen wurden als Wechsel in die Zukunft investiert, sprich, sie müssen irgendwann zurückgezahlt werden. Auch wenn der Verein um Transparenz bemüht ist, der Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow von einer "ernsten Lage" spricht, schreit dieses Thema nach, nun ja, nennen wir es bescheiden: Enthüllung. Zudem wurde dem Sportdirektor Frank Arnesen unter der Woche wiederholt von der umtriebigen "Sport-Bild" unterstellt, überhöhte Beraterhonorare gezahlt zu haben. Es gibt also viel zu tun für Ertel und die Kollegen. "Hallo Schwester", freut sich der Kassierer im Bioladen in Mottenburg. Schwupp, da ist Schwester Henrike auch schon nach hinten entschwunden. Packt Gemüsekisten, Brot und Brötchen über den Lieferausgang in ihren Wagen. Schwester Henrike arbeitet beim kirchlichen Hilfsverein Alimaus, eine Institution am Rande der Hamburger Reeperbahn. Bis zu 500 Obdachlose und Bedürftige werden hier seit 1999 täglich verköstigt. Dreimal die Woche kommt die Schwester hier im Bioladen vorbei. Wer glaubt, dass in der Alimaus nur Lidl läuft, täuscht sich. "Tofu und Vollkornnudeln kommen sehr gut an", sagt sie.

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