Eltern fürchten noch mehr Fehlstunden

peter_hoever
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Tausende gehen gegen die Streichung von Stellen an Schulen auf die Straße – die CDU fordert 300 neue Lehrer

shz.de von
04. Juni 2014, 12:11 Uhr

Die Wut wächst: Mehr als 2500 Schulkinder, Jugendliche und Eltern haben gestern in Satrup und Kappeln (Kreis Schleswig-Flensburg) gegen Lehrermangel und anhaltenden Unterrichtsausfall demonstriert.

Jeweils 365 Stellen will die Koalition in diesem und den beiden nächsten Jahren streichen. Dahinter steckt die Schuldenbremse in der Landesverfassung. Elternbeiräte fordern den Verzicht auf die Stellenstreichung und verweisen auf die von der Koalition beschlossenen Schulreformen.

Gut möglich, dass die Demonstration gestern erst ein Auftakt war. „Ziel ist es, die Proteste im ganzen Land aufflammen zu lassen“, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Landeselternbeirates der Gemeinschaftsschulen, Benita von Brackel-Schmidt.

Noch am Vortag hatte Bildungsministerin Waltraud Wende um Verständnis für die Stellenkürzungen gebeten. „In den beiden nächsten Schuljahren wird es schwierig bleiben“, schrieb Wende in einem Brief an die Elternbeiräte. Eine deutliche Verbesserung werde es 2016 geben. Dann verlässt ein doppelter Abiturjahrgang die Schulen, ab 2015 stehen 36 Millionen Euro zusätzlich für Bildung bereit, die der Bund von den Ländern bei der Bafög-Finanzierung übernehmen will. Die CDU will mit der Hälfte dieser Summe 300 neue Lehrerstellen schaffen, den Rest zur Hochschulfinanzierung verwenden. In diesem Sinne äußerte sich auch der SSW. Dessen Bildungspolitikerin Jette Waldinger-Thiering räumte ein, „dass der Stellenabbau in diesem Schuljahr eine Belastung der Schulen darstellt“.

Bisher kalkuliert das Bildungsministerium mit einem Unterrichtsausfall an den allgemeinbildenden Schulen von sechs Prozent für das kommende Schuljahr. Nach Einschätzung von GEW-Landeschef Matthias Heidn droht sogar eine Ausfallrate von sieben Prozent. Hinzu kämen noch Ausfälle wegen Krankheit, „das macht die Sache richtig dramatisch“. Es bahne sich eine „katastrophale Situation“ an. Heidn forderte die Regierung auf, auf die Streichung von Lehrerstellen zu verzichten.

Rückendeckung für die Elternproteste kam aus den Reihen der Opposition. CDU-Bildungspolitikerin Heike Franzen räumte ein, auch eine unionsgeführte Landesregierung „hätte keine 100-prozentige Unterrichtsversorgung sicherstellen können“. Die Koalition aber habe die Probleme vergrößert. So kosteten allein die Umwandlung von Regional- und Gemeinschaftsschulen 250 Lehrerstellen, die geplanten Oberstufen an Gemeinschaftsschulen weitere 200 Planstellen. „Die Probleme sind hausgemacht und kommen nicht nur durch die Schuldenbremse“, sagte Franzen. Bildungsministerin Waltraud Wende, die die Lücke bei der Lehrerversorgung selbst mit über 1200 Stellen angegeben habe, „muss überlegen, ob dies der richtige Job für sie ist“. Die Koalition müsse aufpassen, „dass sie die Schulen nicht kaputt reformiert“.

Die FDP-Bildungspolitikerin Anita Klahn verwies auf eine Online-Petition für „100 % Unterrichtsversorgung“, die inzwischen von 5600 Bürgern unterzeichnet sei. „Der Ruf nach einer besseren Bildungspolitik im Land wird lauter“, sagte Klahn.

Ins selbe Horn stieß der Pirat Sven Krumbek: „In Schleswig-Holstein brennt die Luft“. Eltern ließen es sich nicht mehr gefallen, dass die Bildung einer ganzen Generation „in Grund und Boden gespart wird“.

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