Elbphilharmonie-Chef wirft das Handtuch

Nicht mehr sein Projekt: Heribert Leutner verlässt die Elbphilharmonie. dpa
Nicht mehr sein Projekt: Heribert Leutner verlässt die Elbphilharmonie. dpa

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08. Januar 2013, 01:14 Uhr

Hamburg | Seit acht Jahren war er mit dem Bau der Elbphilharmonie befasst - jetzt geht er, weil er sich gegen den Bürgermeister nicht durchsetzen konnte: Heribert Leutner, Geschäftsführer der städtischen Realisierungsgesellschaft Rege, wirft das Handtuch. Der 53-Jährige werde seinen Vertrag zum 30. Juni beenden, bestätigte die Rege gestern.

Grund für den Rückzug sind Meinungsverschiedenheiten zwischen Leutner und Senatschef im alles entscheidenden Punkt: Scholz will den Prestigebau mit dem Baukonzern Hochtief fertigstellen, der Noch-Rege-Chef spricht sich für einen Rauswurf des Baukonzerns aus. "Bei allem Verständnis für die Entscheidung von Bürgermeister Olaf Scholz. Ich hätte mich für eine Trennung von Hochtief entschieden und habe das auch deutlich gemacht", sagte Leutner der "Bild"-Zeitung

Aus der Umgebung Scholz hieß es, der Rege-Geschäftsführer habe bis zuletzt dafür plädiert, Hochtief zu kündigen und den Bau in Eigenregie der Stadt abzuschließen. Scholz entschied sich anders. Nach weitgehenden Zusagen von Hochtief verkündete der SPD-Politiker kurz vor Weihnachten, dass das Bauunternehmen die Elbphilharmonie zum Festpreis von 575 Millionen Euro fertigbauen soll - nochmals 198 Millionen mehr als vereinbart. Im Gegenzug werde Hochtief alle Risiken bei Kosten, Zeitplan und Technik tragen. Eine entsprechende vertragliche Vereinbarung wollen beide Seiten bis Ende Februar fixiert haben.

Leutner kennt das Pannen-Vorhaben wie kein Zweiter in Hamburg. Als die Stadt 2004 entschied, das Konzerthaus auf den ausgedienten Kaispeicher A in der Hafencity zu setzen, übernahm der gelernte Architekt in der Rege die Projektplanung. Im November 2008 stieg er zum Rege-Chef auf, nachdem Vorgänger Hartmut Wegener wegen der diversen Kostenexplosionen vom damaligen Bürgermeister Ole von Beust den Laufpass bekommen hatte.

Nun traute Scholz dem 53-Jährigen offenbar nicht zu, das Verfahren mit Hochtief erfolgreich zu Ende zu bringen - und setzte ihm einen anderen vor die Nase. Seit Anfang dieses Jahres ist Martin Heyne für die Elbphilharmonie zuständig. Formal als dritter Rege-Geschäftsführer, de facto als Hauptverantwortlicher auf städtischer Seite. Heyne ist ein ehemaliger Manager des Einkaufszentren-Konzerns ECE, diplomierter Bauingenieur und zertifizierter Sachverständiger. Er soll Hochtief bei der Fertigstellung so gut es geht auf die Finger sehen, um die Qualität des Baus zu sichern.

Oppositionsführer Dietrich Wersich sieht den Bürgermeister in "Erklärungsnot". Er vermutet die Gründe für den Leutner-Rückzug im Kostenaufschlag von 198 Millionen Euro und fragt: "Was hat Olaf Scholz der Öffentlichkeit bislang verschwiegen?"

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