Eisregen: Es krachte mehr als 100 Mal

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25. Dezember 2012, 01:14 Uhr

Kiel/Hamburg | Unangenehmer Winter-Überraschung kurz vor Weihnachten: Überfrierende Nässe und spiegelglatte Straßen haben gestern zu mehr als 100 Unfällen in Hamburg und Schleswig-Holstein geführt. Der schwerste ereignete sich in der Nacht zu gestern auf der Autobahn 23 Hamburg-Heide. Bei einer Massenkarambolage wurden sechs Menschen nahe Rellingen leicht verletzt. Wie die Polizei mitteilte, fuhren 14 Autos ineinander.

Zunächst hätten zwei Autos auf dem Seitenstreifen der A23 in Richtung Norden gehalten. Ein Fahrer habe die Polizei gerufen. Als die Beamten eintrafen, habe ein vorbeifahrendes Auto gebremst und sei ins Schleudern geraten. In den Unfallwagen seien auf einer Strecke von 400 Metern 13 Autos gefahren, die auf vereister Fahrbahn nicht mehr bremsen konnten. Helfer bauten für die vielen unverletzten Mitfahrer ein Zelt auf, in dem sie sich bei der eisigen Kälte aufwärmen konnten. Die A23 war Richtung Heide für viereinhalb Stunden gesperrt, in Richtung Hamburg für zweieinhalb Stunden.

Zu einem weiteren schweren Unfall kam es in Bad Segeberg: Ein 38-jähriger Mann prallte in der Nacht zu gestern mit seinem Auto gegen einen Baum und wurde schwer verletzt. Zwei 18- und 13-jährige Mitfahrer erlitten nach Polizeiangaben leichte Verletzungen. Der Mann sei am Ortsausgang auf glatter Straße zu schnell gefahren, hieß es. Alle drei Verletzten wurden ins Krankenhaus gebracht.

Gefährlich wurde es nach einem Überholmanöver eines BMW-Fahrers auf der B 207 in Lübeck: Der Mann wollte in der Nacht zu gestern bei spiegelglatter Straße ein anderes Fahrzeug überholen, kam dabei ins Schleudern, überrollte einen Alleebaum und kam kopfüber in einem Wassergraben zum Liegen. Der Fahrer konnte leicht verletzt aus dem Auto klettern, seine Beifahrerin war teilweise im kalten Wasser liegend eingeklemmt. Sie musste von der Feuerwehr befreit werden und kam mit schweren Unterkühlungen ins Krankenhaus.

Bei den insgesamt mehr als 100 Glätteunfällen wurden mindestens 17 Menschen leicht und einer schwer verletzt. Nach Angaben der Feuerwehr stürzten auf vereisten Gehwegen in Hamburg vier Fußgänger und mussten ins Krankenhaus gebracht werden. An einem Kaufhaus in der Mönkebergstraße in Hamburg drohten Eisplatten von einem Baugerüst zu stürzen, die von der Feuerwehr abgeschlagen wurden. Der Hamburger Winterdienst war seit 1.30 Uhr mit 110 Fahrzeugen im Einsatz. Weitere 270 Fahrzeuge rückten ab 4 Uhr aus. Einige Straßen wurden von der Polizei in Hamburg wegen Glätte vorübergehend gesperrt, so die Wilhelmsburger Reichsstraße.

Auch Bahnfahrer bekamen die Folgen des Eisregens zu spüren. Auf der Strecke zwischen Elmshorn und Westerland auf Sylt kam es im Fernverkehr zu Zugausfällen. Wie eine Bahn-Sprecherin mitteilte, wurden die Oberleitungen auf der Strecke durch Eisregen beschädigt. ICs und ICEs zwischen Hamburg und Westerland sollten demnach bis in den Nachmittag ausfallen. Die Fernverkehrszüge werden elektrisch betrieben, die Regionalzüge der Nordostseebahn haben Dieselloks und fuhren wie gewohnt.

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