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Kampf gegen Einweg-Beutel : Einkäufe kommen nicht mehr in die Plastiktüte

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Die EU hat den umweltschädlichen Plastikbeuteln den Kampf angesagt. Bis 2019 soll ihre Zahl um 80 Prozent verringert werden. Auch in SH ist die Tütenflut ein Thema.

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2014 | 17:00 Uhr

Kiel | Die Landeshauptstadt Kiel will „Plastiktüten-frei“ werden, Flensburg hat beschlossen, den Verbrauch von Einweg-Tüten um 90 Prozent zu reduzieren, Föhr will zumindest „Tüten-arm“ werden. Gegen die Tütenflut kämpfen jedoch nicht nur die Kommunen. Ausgerechnet der oft kritisierte Klamotten-Discounter Kik geht in Kiel mit gutem Beispiel voran und verteilt keine Plastiktüten mehr. „Die werden von der EU ohnehin bald verboten, wir fangen jetzt schon mal damit an“, so die Begründung einer resoluten Verkäuferin.

Mit ihrem Hinweis auf die EU-Pläne liegt die Kik-Frau genau richtig: Bis 2019 will Brüssel die Zahl der schädlichsten Tüten um 80 Prozent verringern. Die Länder können wahlweise Gebühren einführen oder Verbote aussprechen. Ausnahmen soll es für sehr dünne Beutel geben, die dem hygienischen Transport von frischem Fleisch, Fisch und Käse dienen.

Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr. Allein im Mittelmeer treiben rund 250 Milliarden Kunststoffteilchen mit einem Gesamtgewicht von 500 Tonnen. Jeder EU-Bürger „verbraucht“ im Schnitt 198 Stück pro Jahr, die der Welt bis zu 100 Jahren erhalten bleiben. Vögel und Meeressäuger verheddern sich oder fressen die Plastikpartikel – sie sterben. Werden die Plastiktüten verbrannt, setzen sie giftige Substanzen wie Formaldehyd und Phenole frei.

„Nimm doch einen Einkaufskorb!“– das ist leichter gesagt als getan. Wer will schon dauernd einen Korb mitschleppen? Viele Einkäufe geschehen spontan, auf dem Nachhauseweg von irgendwo – und dann hat man wieder ein Tüte in der Hand. Mit 15 Gramm Eigengewicht transportiert sie 15 Kilogramm Ware nach Hause. Dort landet sie allerdings meist nach einem 25-minütigen Einsatz im Müll.

Wenn schon kein Korb – vielleicht hilft ja ein Rucksack. Den haben viele Bürger heute ohnehin schon häufig dabei, weil er praktisch und rückenschonend ist, in vielen modischen Variationen angeboten wird und bei Alt und Jung gleichermaßen akzeptiert ist. Praktisch sind vor allem Modelle, bei denen man per Reißverschluss das Fassungsvolumen deutlich erweitern kann. Steckt man noch einen Beutel in die Seitentasche, sind auch umfangreichere Spontan-Einkäufe kein Problem.

Besser als Stoffbeutel eignen sich dafür die neuerdings von Discoutern und Drogeriemärkten für gut einen Euro angeboten festen Einkaufsbeutel in buntem Design. Zwar haben auch sie einen hohen Kunststoffanteil, aber sie lassen sich hundertfach verwenden. Klein zusammengefaltet und in die mitgelieferte Hülle gesteckt, finden sie selbst in Mini-Handtaschen Platz. Ihr Vorteil: Man kann sie waschen, was beim Transport von Lebensmitteln mehr als sinnvoll ist. Tests haben ergeben, dass in mehrfachgenutzten Stoffbeuteln zu viele Bakterien sitzen.

Auch das gute alte Einkaufsnetz aus Eisengarn wird momentan von vielen Bürgern wiederentdeckt. Noch wird das unverwüstliche Teil, mit dem schon die Großeltern unterwegs waren, vorwiegend von teueren Handelshäusern mit Vintage-Appeal angeboten. Aber wer im Internet sucht, findet die Netze – sogar mit Ledergriff – schon für deutlich unter zehn Euro. Auch sie lassen sich auf Klein-Formate zusammenlegen. Natürlich sind Tüten aus Papier besser als solche aus Plastik. Nachteilig ist jedoch, dass es sich um Einmalprodukte handelt. Auch sie gehören letztlich zur Wegwerfgesellschaft.

Viel Werbung wird in jüngster Zeit für Plastiktüten aus Kunststoff gemacht, die angeblich biologisch abbaubar sind. Doch die sind nur auf den ersten Blick geeignet, dem Verbraucher ein gutes Gewissen zu machen. „Solche Bio-Plastiktüten sind im Privathaushalt nicht kompostierbar, daraus wird nie wertvoller Humus“, warnt Gudrun Köster von der Verbraucherzentrale in Kiel. „Hier werden Pflanzen angebaut, um aus ihnen Wegwerf-Tüten zu machen. Das ist Verbrauchertäuschung.“ Den Fokus allein auf die üblen Tüten zu richten, sei ohnehin zu kurz gegriffen: „Wer im Supermarkt in Plastik abgepackte Wurst in den Jutebeutel steckt, handelt nur bedingt umweltfreundlich“.
 

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