Einigung am Grabenrand

Rotgefärbte Landesmitte: Umweltminister Habeck zeigt, wo übermäßig Stickstoff in den Boden eingebracht wird. Blu
Rotgefärbte Landesmitte: Umweltminister Habeck zeigt, wo übermäßig Stickstoff in den Boden eingebracht wird. Blu

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18. Januar 2013, 01:14 Uhr

Kiel | Es geht um das Trinkwasser als elementare Lebensgrundlage - und um die Kulisse der Landschaft für Artenvielfalt und Lebensqualität. Der Zustand der Gewässer und der Knicks in Schleswig-Holstein soll nach dem Willen der Landesregierung besser werden.

Beim Gewässerschutz konnten sich das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium mit den Landwirten verständigen. "Die dem Bauernverband ausgestreckte Hand wurde angenommen", sagte Minister Robert Habeck (Grüne) gestern in Kiel. Ziel sei es, den Nährstoffeintrag in Flüsse, Seen und in das Grundwasser einzudämmen. So soll entlang eines fünf Meter breiten Randstreifens entlang von Gewässern kein Dauergrünland mehr umbrochen werden dürfen. Zusätzlich wird das Pflügen, Düngen oder der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im ersten Meter von der Böschungsoberkante an verboten. Zudem könne ein Landwirt bei besonders empfindlichen Gewässern - freiwillig und gegen eine Entschädigung vom Land - einen naturnahen Randstreifen von zehn Metern und mehr belassen.

Hintergrund: "Wir versorgen uns in Schleswig-Holstein mit Grundwasser komplett selbst", so Habeck. Doch der Zustand des Wassers sei nicht besser geworden. Maßnahmen gegen den Nitrateintrag durch geringeres, effektiveres Ausbringen von Gülle und Dünger hätten wegen des Strukturwandels in der Landwirtschaft vor allem entlang der sandigen Geest in der Landesmitte nicht gefruchtet. Hier habe der Maisanbau und die damit Nährstoffbelastung stark zugenommen. Insgesamt habe sich die Maisanbaufläche in Schleswig-Holstein in zehn Jahren auf 181 000 Hektar nahezu verdoppelt. Die Konsequenz: Insgesamt 22 von 55 Grundwasserkörpern seien wegen Verschmutzungen durch Nitrat und auch durch Pflanzenschutzmittel in schlechtem Zustand, sagte Habeck. Die Ressource Wasser müsse aber für künftige Generationen gesichert werden. "Ich freue mich, dass wir das jetzt gemeinsam angehen", sagte der Minister mit Blick auf den Bauernverband. Dessen Präsident Werner Schwarz machte deutlich, dass die Landwirte "hochwertige Nahrungsmittel erzeugen und gleichzeitig die Gewässerqualität verbessern wollen".

"Nicht ganz mitgehen" wolle der Bauernverband bei geplanten, schärferen Auflagen in den 37 Wasserschutzgebieten im Land, räumte Habeck ein. Hier soll es ein generelles Verbot des Grünlandumbruchs und verlängerte Fristen für das Ausbringen von Gülle geben.

Strittig sei noch der Knickschutz, so Habeck weiter. Der war unter dem vormals CDU-geführten Ministerium gelockert worden. Der Grünen-Minister will jetzt beiderseits der etwa 50 000 Kilometer Knicks im Land einen 50 Zentimeter breiten Saum streifen einführen, auf dem nicht mehr geackert werden darf. Zudem sollen Strauchgehölze im Kronenbereich den Knicksockel überragen und mächtige Bäume erhalten bleiben. Überhälter dürfen erst gefällt werden, wenn genügend starke Bäume als Ersatz nachgewachsen sind. "Der Knickschutz ist im waldarmen Schleswig-Holstein besonders wichtig", sagte Habeck, und dies sowohl für die Artenvielfalt wie für das Landschaftsbild.

Und nicht zuletzt für die Landwirtschaft: Knicks bieten Ackerflächen Schutz vor Wind und Erosion und können damit sogar den Ertrag sichern helfen, sagte der Minister.

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