Eine Woche voller Feier-Tage

Nils Brandt hat hat die Befehlsgewalt auf dem Segelschulschiff.
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Nils Brandt hat hat die Befehlsgewalt auf dem Segelschulschiff.

3,5 Millionen Besucher, neun Tage und ein sehr zufriedener Oberbürgermeister: Die 132. Kieler Woche ging gestern mit einem Feuerwerk zuende

shz.de von
29. Juni 2014, 14:38 Uhr

„Pappstolz“ ist Ulf Kämpfer. Auch wenn die Internet-Suchmaschine nur sieben Treffer für diesen Ausdruck ausspuckt – jeder versteht, was der Kieler Oberbürgermeister damit meint: Zufriedener könnte er mit der Kieler Woche nicht sein. Das sagte Kämpfer gestern gleich mehrfach im Rathaus. „Ich bin einfach pappstolz auf eine so gut gelungene Kieler Woche.“ Vor allem bezog er das Lob auf die vielen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kräfte, die das wieder einmal geschafft haben. Um genau zu sein, zum 132. Mal.

Neun offizielle Tage „fröhlicher Ausnahmezustand“ liegen aus Sicht der Stadt Kiel hinter ihr. Neun Tage voller maritimer Feierlaune und seglerischer Höchstleistungen. Glanzvoll war die Festwoche am vorvergangenen Sonnabend gestartet mit der offiziellen Eröffnung durch Bundespräsident Joachim Gauck. Mit dem sprichwörtlichen Knaller im Programm endete sie gestern Abend – dem traditionellen Abschlussfeuerwerk über der Förde. Dazwischen lockten Tage und Abende voller kultureller Appetithäppchen und Leckerbissen das große und kleine Feiervolk auf die Kiellinie, an die Hörn, auf die Spiellinie, oder auf den Rathausplatz zum Internationalen Markt. Insgesamt zog Nordeuropas größtes Sommerfest in diesem Jahr, vermutlich auch wegen der Fußball-Weltmeisterschaft, deutlich mehr Gäste an als im vergangenen Jahr. Von rund 3,5 Millionen Besuchern geht die Stadt zufrieden aus, allein rund 100 000 kamen zur Windjammerparade am Sonnabend. Von einem Rekord wollte Christian Riediger vom Kieler-Woche-Büro aber nicht sprechen.


Festwoche wie aus dem Bilderbuch


Dennoch, wer den Organisatoren, Veranstaltern, Behörden und anderen Akteuren gestern bei der Abschluss-Pressekonferenz zuhörte, der konnte nur einen Eindruck gewinnen: Es war eine Kieler Woche, wie sie im Bilderbuch steht. Und beinahe trifft das auch auf das Wetter zu. „Der Wettergott war uns fast durchgehend wohlgesonnen“, sagte OB Kämpfer. Der eine oder andere Regenschauer, auch mal gewittrig, habe verkraftet werden können. Mit Ausnahme von „zu viel Wind am Anfang und zu wenig Wind am Ende“ stimmte dem Fazit auch Ulrich Ellerbeck vom Kieler Yacht Club zu, der die Regatten veranstaltet hat. Rund 4500 Segler nahmen teil. Die Marine freute sich über mehr als 15 000 Besucher beim „Open Ship“ im Tirpitzhafen, samt 31 Marineeinheiten aus elf Nationen mit rund 2500 Soldaten. Der Seehafen Kiel vermeldete den Anlauf von erstmalig 16 Kreuzfahrern und zog den Schluss: „Die Kieler Woche wird immer mehr zum Anziehungspunkt auch für Kreuzfahrtschiffe“, so Geschäftsführer Dirk Claus.


Noch einmal olympische Segelwettbewerbe?


Die Polizei hatte zwar alle Hände voll zu tun, besonders in der Nacht zu gestern rund um die Partymeile Bergstraße. Doch insgesamt sei die Zahl der Straftaten gesunken, sagte Thomas Bauchrowitz, Leiter der Polizeidirektion Kiel. Die Beamten rückten zu 2329 Einsätzen in der Stadt aus, 380 davon mit direktem Bezug zur Kieler Woche. Dabei nahmen die Einsatzkräfte aus Kiel und Eutin 94 Anzeigen wegen Körperverletzungen und Raubstraftaten auf, im Jahr zuvor 123. Die Anzahl der Einsätze mit direktem Bezug zur Kieler Woche ist gesunken. Im Vorjahr waren es noch bei geringerem Besucheraufkommen rund 200 mehr gewesen. Bauchrowitz: „Das war ein friedliches Volksfest.“

Mit dem Schwung der laut Stadt größten Segelregatta der Welt will Oberbürgermeister Kämpfer nun für eine neue Ausrichtung der olympischen Segelwettbewerbe in Kiel „Pflöcke einschlagen“. Die Ratsversammlung hat bereits beschlossen, dass der OB im Falle einer deutschen Bewerbung zur Durchführung der Olympischen Sommerspiele 2024 oder 2028 das dringende Interesse Kiels an den Segelwettbewerben gegenüber dem Deutschen Olympischen Sportbund bekunden soll.

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