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Eine Kirche wird zur Moschee

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Kreuz auf dem Turm wird durch Halbmond ersetzt / Umbau wird durch Spenden finanziert / Pläne sorgten vor einem Jahr für Kritik

Der Bauzaun steht, die Baustraße ist angelegt: Im Hamburger Stadtteil Horn haben die Arbeiten zur Umwandlung einer ehemaligen Kirche in eine Moschee begonnen. „Wegen der Witterung arbeiten wir zunächst im Inneren“, sagt Daniel Abdin, Vorsitzender der islamischen Al-Nour-Gemeinde. Sie will die seit einem Jahrzehnt leerstehende Kapernaum-Kirche in den nächsten Monaten zu einem moslemischen Gotteshaus umgestalten.

Bei Bekanntwerden der Pläne vor einem Jahr hatte das bundesweit Schlagzeilen gemacht. Führende Vertreter christlicher Kirchen kritisierten die Umwandlung – zum Teil mit deutlichen Worten. So sprach der ehemalige Michel-Hauptpastor Helge Adolphsen von einem „Dammbruch“, der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider von einem „Missgeschick“, das eine „geistliche Zumutung“ für die Gläubigen bedeute.

Zu einer Demonstration gegen die Moschee kam im März 2013 indes nur eine Handvoll rechter Protestierer – ihnen standen 1000 Gegendemonstranten gegenüber. Auch sonst ging die große Aufregung um die erste Umwandlung einer Kirche in eine Moschee in Hamburg am Stadtteil nahezu spurlos vorüber. „Es gab hier überhaupt keine Anfeindungen gegen uns“, freut sich Abdin. „Die Menschen in Horn sind klasse.“

Das dürfte auch daran liegen, dass die evangelisch-lutherische Gemeinde ihre Kirche wegen stark nachlassender Gottesdienst-Besuche schon 2002 geräumt und 2004 entwidmet hatte. Die Nordelbische Kirche verkaufte das 1961 errichtete Gotteshaus samt Grundstück an eine Immobilienfirma, in der Erwartung, dass dort eine soziale Einrichtung entstehen würde. Diese Pläne zerschlugen sich, so dass der neue Eigner die Immobilie schließlich an die Al-Nour-Gemeinde weiterveräußerte. Die suchte seit Jahren nach einer geeigneten Bleibe, treffen sich die Gläubigen doch bisher in einer ehemaligen Tiefgarage in St. Georg zum Gebet.

Für den Umbau gelten beträchtliche Auflagen, steht der 1961 eingeweihte Beton-Bau doch unter Denkmalschutz. Äußerlich wird sich entsprechend nicht viel ändern. Daniel Abdin: „Nur der vordere Eingangsbereich wird komplett erneuert und verschönert.“ Ein zweigeschossiger Anbau wird das Hauptgebäude mit dem freistehende Turm verbinden.

Die augenfälligste Veränderung vollzieht sich auf der Turmspitze. „Wir werden das Kreuz abbauen und an eine Kirchengemeinde in Billstedt verschenken“, kündigt der Al-Nour-Vorsitzende an. An die Stelle werde ein Halbmond gesetzt. „Das ist eine wichtige Symbolik für uns Gläubige.“ Niemand müsse sich von der Mondsichel über Horn provoziert fühlen, er werbe um „Toleranz in beiden Richtungen“. Das Innere des Gotteshauses wird weitgehender umgestaltet. „Wir reißen zunächst den morschen Holzboden raus“, erzählt Abdin. Die Moschee erhalte sodann eine Fußbodenheizung sowie Teppichboden. Auch entsteht eine Empore nur für betende Frauen. Kaligraphien mit religiösen Texten werden die Innenwände zieren. Aus dem christlichen Taufbecken soll später im Garten eine Gedenkstätte für den Ursprung des Gebäudes werden. Der Altar werde entsorgt.

Wie lange all das dauert, ist unklar. Zumal Al Nour von den erforderlichen 1,5 Millionen Euro erst ein Drittel beisammen hat. Daniel Abdin: „Wir finanzieren den Umbau ausschließlich aus Spenden.“


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erstellt am 17.Jan.2014 | 18:24 Uhr

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