Eine gestenreiche Bewerbungspredigt

Predigt gern persönlich:  Elfriede Knotte beim Vorstellungsgottesdienst  in Schleswig
Predigt gern persönlich: Elfriede Knotte beim Vorstellungsgottesdienst in Schleswig

fju_maj_0203 von
16. März 2014, 13:32 Uhr

Regietechnisch hat sie schon ein Gespür für den Dom entwickelt: Den ersten Teil des Glaubensbekenntnisses singt Elfriede Knotte noch unten im Altarraum mit. Dann bricht sie genau in dem Moment Richtung Kanzel auf, der nötig ist, um dort oben in der Sekunde anzukommen, in der die Gemeinde beim Singen den Schlussvers erreicht hat.

Ob es ein Gastspiel war oder der erste Schritt an einen neuen Arbeitsplatz, stellt sich am 11. April heraus. Dann wählt die Synode der Nordkirche für die nächsten zehn Jahre den neuen Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein. Das Amt ist vakant, weil Gerhard Ulrich als Gesamt-Bischof für die Nordkirche nach Schwerin gewechselt ist. Gab es dort nur einen Kandidaten, so haben die 156 Synodalen diesmal eine Alternative: Elfriede Knotte (57), Pröpstin in der Landeskirche Braunschweig, kandidiert gegen Gothart Magaard (58), der Ulrich wegen dessen Aufbauarbeit für die Nordkirche seit Jahren vertritt.

Wie Altvater Abraham durch den Glauben Kraft für den Aufbruch in ein unbekanntes Land schöpfte – das ist im Bibeltext für diesen Sonntag dran. Nach nur zwei Sätzen hat Knotte das so weit weg erscheinende Thema ganz ungekünstelt ins Jetzt geholt: Ausziehen, ohne zu wissen wo es hingeht – das bezieht die Kandidatin auch auf die Biografie vieler Flüchtlingsfamilien, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Norden kamen, und auf die syrischen oder afrikanischen Flüchtlinge von heute. Die Akzeptanz des Unperfekten, die Absage an Säulenheilige sind Überzeugungen, die aus der gestenreichen Bewerbungspredigt sprechen. Schon die biblischen Zeugen des Glaubens seien „einfach nur Menschen“, durchaus mit Schattenseiten. Klar ist Knottes Botschaft hinter dieser Einsicht: Berührungsängste vor dem Christentum durch übertriebene Ehrfurcht abbauen. Das bedeutet keineswegs, dass sich die Bewerberin als Revoluzzerin versteht. Als ihr die Besucher in einem einstündigen Nachgespräch auf den Zahn fühlen, klingt Bodenständigkeit durch. Da fallen Sätze wie „Ich liebe keine Predigt, die mir sagt, auf welche Demo ich gehen muss“ oder „Es liegt mir näher, persönlich als zu politisch zu predigen – wobei eine persönliche Predigt auch politisch sein kann, wenn sie aufrüttelt“. Überhaupt setzt die Pröpstin auf eine persönliche Ansprache. „Den Glauben auch mit dem Herzen und mit Erlebnissen ankern“, gibt sie als Motto aus. „Was an der Dreieinigkeit Gottes lebenstauglich ist“, möchte sie vermitteln. Deutlich wird aus weiteren Antworten eine Kompetenz für den ländlichen Raum. Blasser bleibt Knotte, als es um ihre Vorstellungen für die Nordkirche insgesamt geht oder darum, welche Chancen im 500-jährigen Reformationsjubiläum 2017 stecken.

Am nächsten Sonntag um 14 Uhr dreht sich das Bewerberkarussell weiter: Dann tritt im Dom Magaard zum Bewerbungsgottesdienst an.

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