„Ein wälzendes Knäuel“

fju_maj_0203 von
14. April 2014, 13:36 Uhr

15. April 1864: Auf dass er die Schlacht bei Düppel für die Nachwelt festhalte, hat Kronprinz Friedrich von der Düsseldorfer Akademie den Schlachtenmaler Wilhelm Camphausen in den Norden bestellen lassen. Neben dem Zeichenstift schwingt der Künstler auch die Feder. Das Gewimmel im preußischen Hauptquartier Schloss Gravenstein vermag Camphausen auch mit Worten anschaulich wiederzugeben. Er schreibt in seinem Tagebuch: „Beim Schloss Gravenstein nahm das militärische Gewühl und Getreibe einen wahrhaft großartigen Charakter an. Gleich am Ufer in einem Garten sahen wir Gruppen von Soldaten beim Abkochen. Der kunstvoll improvisierte Feuerherd mit der brodelnden, dampfenden Suppe darauf wird sofort dem Skizzenbuch überliefert. Hier werden Zündnadelgewehre ebenso rasch als bequem gereinigt, dort von Müßigen Kegel geschoben, abseits aber sitzt der Tambour und schreibt auf der Trommel eine Epistel ins heimische Dorf. In der Straße das tollste Gewirre und Durcheinander: Wagen und Reiter, marschierende Truppen, durch die Stafetten und Ordonnanzreiter sich mühsam hindurchzwängen. So windet und wälzt sich das bunte Knäuel nach seinem Ziel. Oft gerät die ganze chaotische Masse ins Stocken, die Fuhrwerke verfahren sich ineinander und scheinen für ewig unentwirrbar, bis deren Flüche, abwechselnd mit geduldigem Warten, wieder Luft schaffen … Hier vor dem Schloss auf dem weiten Vorhof ist der nächste Wagenplatz, auf dem die aus allen Gegenden des Landes zusammenrequirierten Bauernwagen, alle nummeriert (ich sah welche mit der Nummer 3000 und mehr) aufgefahren stehen und unter Befehl eines Wagenmeisters ihrer Verwendung harren.“

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