Ein Job, den niemand will

Ingbert Liebing.Reimer Böge. sh:z(5)Johannes Callsen.Johann Wadephul.Torsten  Geerdts.
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Ingbert Liebing.
Reimer Böge. sh:z(5)
Johannes Callsen.
Johann Wadephul.
Torsten Geerdts.

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10. Januar 2013, 01:14 Uhr

Kiel | Nein, Nein und wieder Nein. Die Nord-CDU steht vor einer schwierigen Suche nach einem neuen Landesvorsitzenden. Einen "geborenen" Nachfolger für den zurückgetretenen Parteichef Jost de Jager gibt es nicht. Aus der zweiten Reihe potenzieller Kandidaten hagelt es Absagen.

Krisensitzung heute in Kiel: Erst tagt der Landesvorstand. Danach will die Führungsriege gemeinsam mit den 15 Kreisvorsitzenden die Lage erörtern. Bis zum 24. Januar läuft die Frist für mögliche Bewerber um den Chefsessel der seit Jahren schrumpfenden Partei (23 000 Mitglieder). Am 16. März soll der neue Vorsitzende gewählt werden. "Vorfestlegungen und Schnellschüsse", hatte CDU-Vize Ingbert Liebing am Dienstag erklärt, werde es in der Personalfrage nicht geben. Der Literaturwissenschaftler und Bundestagsabgeordnete selbst sieht sich "nicht als Bewerber". Ein klares Nein klingt anders. Parteifreunde sehen den 49-Jährigen denn auch als Favoriten für den Posten. Für Liebing spricht sein Alter und damit auch die politische Perspektive, als Spitzenkandidat in die Landtagswahl 2017 gehen zu können. Gegen den Landeschef der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU spricht sein Ergebnis bei der Wahl zum Landesvorstand vergangenen November: mäßige 67 Prozent, schlechter schnitt kein anderer Kandidat für die Führungsriege ab. Liebings Zurückhaltung in der Kandidatenfrage macht durchaus Sinn. Ins Rennen gehen wird der CDU-Mann, der aus Neumünster stammt und mit seiner Familie auf Sylt lebt, nur, wenn seine Wahl mit einem ordentlichen Ergebnis gesichert ist. Eine Pleite wie im November würde jeden Versuch, nach de Jagers Rücktritt ein Signal des Aufbruchs zu setzen, im Keim ersticken.

Dass Liebing als womöglich erster Anwärter auf den Chefposten gilt, liegt vor allem daran, dass Parteifreunde in Serie abwinken. Gestern stellten Landtagsfraktionschef Johannes Callsen (46) und Ex-Parlamentspräsident Torsten Geerdts (49) klar, für eine Kandidatur nicht zur Verfügung zu stehen. Callsen gilt in seiner Rolle als Oppositionsführer im Landtag bereits als blass, Geerdts war mit kritischen Äußerungen über die Wahlkampfführung der CDU innerparteilich angeeckt. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete und frühere Landesvorsitzende Johann Wadephul (49) schloss eine Kandidatur "für mich völlig aus". Der Chef des mächtigen Kreisverbandes Rendsburg-Eckernförde hatte nach seinem Rücktritt als Parteichef 2002 ein politisches Chaos in der Union hinterlassen. Nachfolger wurde damals Peter Harry Carstensen. Zugleich brachte Wadephul den stellvertretenden Landesvorsitzenden Reimer Böge (61) erneut ins Gespräch. Der Europaabgeordnete selbst hatte eine Kandidatur schon am Vortag ausgeschlossen und seine Rolle auf die Moderation der Personalfindung beschränkt. Gleichwohl äußerte Wadephul "die Hoffnung, dass Reimer Böge doch bereit ist, den Job zu machen". Böge sei in der Partei bekannt, kenne den Landesverband "perfekt" und könne daher vieles per Telefon aus Brüssel regeln. Zwar blieb Böge auf Nachfrage auch gestern bei seinem Nein zu einer Kandidatur für den Vorsitz. "Da wanke ich nicht." Der Hinweis jedoch, in der Personalfrage müsse auch über "unkonventionelle Lösungen nachgedacht" werden, könnte als Lösung im Sinne von Wadephul gedeutet werden.

Liebing nannte die Absagen für die Kandidatur "schon kurios". Zugleich zeigte er sich zuversichtlich, bis zum 16. März eine Lösung zu finden und fügte hinzu. "Irgendwer wird es am Ende machen müssen."

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