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Ein Dorf siegt vor Gericht – Die Schule bleibt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Schleswiger Urteil nach Formfehler / Am Montag läuft der Unterricht in der kleinen Dithmarscher Gemeinde ganz normal wieder an

Etappensieg für die Eltern in Schafstedt: Am Montag sollten die 43 Grundschüler des Dithmarscher Dorfes erstmal per Schulbus ins benachbarte Albersdorf kutschiert werden, weil die Schule in Schafstedt abgewickelt werden soll. Doch aus diesem Plan der Landesregierung wird nichts – vorerst zumindest. Rechtzeitig vor Schulbeginn hat das Verwaltungsgericht Schleswig entschieden, dass in der kleinen Dorfschule weiter Unterricht erteilt wird. Dem Widerspruch der Eltern gegen die Schließung wurde aus formalen Gründen stattgegeben. Begründung: Der Schulleiter in Albersdorf – seit 2006 verantwortlich für die „Außenstelle“ Schafstedt – habe weder die Schulkonferenz noch den Schulträger ordnungsgemäß eingebunden.

„Wir akzeptieren diesen Beschluss und sorgen dafür, dass der Betrieb ab Montag läuft“, erklärte gestern das Bildungsministerium in Kiel. Zähneknirschend, denn an der geringen Schülerzahl hat sich kaum etwas geändert. Zwar sei es erklärte Politik der Landesregierung, auch kleine Schulstandorte „so lange zu halten wie es eben geht“, aber das dürfe nicht auf Kosten der „pädagogischen Qualität des Unterrichts“ und damit der Kinder gehen, so die Position von Ministerin Waltraud Wende (parteilos). Deshalb stelle die Behörde gestern klar: „Grundsätzlich steht die Zukunft der Außenstelle Schafstedt weiter auf dem Prüfstand.“ Das trübt jedoch die Stimmung der Eltern zunächst kaum. „Als sich die Nachricht aus Schleswig am Dienstagabend in der 1300-Seelen-Gemeinde herumsprach, knallten die Böller“, berichtet Sandra Neukamm. Die Eltern der 43 Kinder hatten im Vorfeld Eidesstattliche Versicherungen unterschrieben, bei erfolgreichem Gerichtsverfahren ihren Nachwuchs wieder in Schafstedt zur Schule zu schicken. „Die stehen am Montag mit ihren Kindern vor der Tür“, freut sich Bürgermeister Harald Mahn.

Seit Monaten hat Neukamm und ihr „Netzwerk Dorfschulen in Schleswig-Holstein“ gemeinsam mit den Schafstedter Eltern für den Erhalt des Standortes gekämpft. Befürchtet werden angesichts der Strukturschwäche der Region und des demografischen Wandels lange Wege und vor allem der Wegfall der Dorfschule als traditioneller Kristallisationspunkt im Ort. Mit Nachdruck hatten Eltern, Lehrer und Schulverband deshalb an einem Rettungsplan gearbeitet, berichtet Neukamm. Sogar die Vor-Ort-Finanzierung für eine Schulassistentin war gesichert. Als das Ministerium auf Nachbesserungen pochte, habe man nachgebessert, berichtet die Netzwerkerin. Offene Fragen würden im Gespräch geklärt, habe es geheißen. Zu diesem Gespräch kam es Neukamm zufolge nicht mehr. Stattdessen sei die Rechtmäßigkeit der Schulschließung ministeriell abgesegnet worden – schriftlich und drei Tage vor Ferienbeginn im Ranzen der Kinder. „Rücksichtslos und hinterhältig“ sei das. Schafstedt sei, resümierte Neukamm, „ein dramatischer, aber leider exemplarischer Fall für die Vorgehensweise, wie die Bildungslandschaft in Schleswig-Holstein mit der Axt umstrukturiert wird“.

Auch die Grünen zeigten sich gestern verärgert über das Verfahren und kritisierten die „Ranzenpost“. Klar sei, dass nicht jede kleine Dorfschule erhalten werden könne. „Wir wollen aber einen flexibleren Umgang und eine transparente Informationspolitik – Familien und Lehrkräfte haben das verdient“, erklärte der Abgeordnete Bernd Voss.

Politische Unterstützung hatten die Eltern zuvor von der Opposition bekommen. „Statt Planstellen in den Aufbau von Mini-Oberstufen an Gemeinschaftsschulen zu stecken, sollte die Regierung lieber die Grundschulen unterstützen“, fordert die Liberale Anita Klahn. Nun hofft sie, dass die Schafstedter auch im anstehenden Hauptsacheverfahren die Nase vorn behalten. Solange will Bürgermeister Mahn mit dem Feiern nicht warten: „Heute Abend gibt er einen aus“, berichtet Neukamm. Na, dann: Prost.

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erstellt am 20.Aug.2014 | 12:16 Uhr

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