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Falsche Tierliebe : Eiben vergiften Rinder und Pferde

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Neumünsteraner Veterinär-Pathologe schlägt Alarm: So viele Todesfälle von Rindern und Pferden gab es noch nie in Schleswig-Holstein. Schuld sind meist Gartenabfälle.

Neumünster | Der Tod kommt plötzlich und schmerzlos. „Das Tier gibt noch einmal einen Angstlaut von sich, kippt um und ist weg“, sagt Walter Biesenbach. Seit 25 Jahren arbeitet der Neumünsteraner schon als selbstständiger Veterinär-Pathologe, 17 Jahre davon in Schleswig-Holstein. Doch so viele Vergiftungsfälle von Rindern und Pferden durch Gartenabfälle wie in diesem Jahr hatte er noch nie. Rund 20 Tiere sezierte er allein in den vergangenen drei Wochen. Ein Landwirt im Kreis Steinburg verlor gleich vier Rinder auf einmal. „Die meisten hatten Eiben gefressen. Das Gift Taxin darin wirkt direkt auf den Herzmuskel“, sagt Biesenbach.

100 bis 200 Gramm des Ziergehölzes, das in vielen Gärten und auf zahlreichen Friedhöfen steht, reichen aus, um ein Pferd oder Schaf zu töten. Ein Rind muss etwa 500 Gramm fressen, ein ausgewachsenes Schwein bringen schon 75 Gramm um. Sobald die Dosis eingenommen wurde, dauert es zwischen 30 bis 60 Minuten bei Pferden und bei Kühen bis zu zwei Tagen, bis die tödliche Wirkung einsetzt. „Kühe sind ja Wiederkäuer, und erst wenn die Nadeln vollständig zerkaut wurden, wirkt das Gift“, so Biesenbach.

Die Gefahr lauert nach seiner Erfahrung vor allem im Frühjahr und jetzt im Herbst, wenn Gartenbesitzer ihren Hecken- und Baumschnitt einfach an der nächsten Koppel abladen oder über den Zaun auf die benachbarte Wiese werfen. „Manche sind sich sogar sicher, sie tun für die Tiere etwas Gutes, ergänzen deren Nahrungsspektrum“, so Biesenbach. Aber Pflanzenfresser haben eine empfindsame Darmflora, reagieren auf plötzlich verändertes Fressen häufig mit schweren Krankheiten. Das Problem: „Den Tieren schmecken die Pflanzen, sie haben keine Scheu vor dem Fressen“, sagt der Experte.

Die Eibe sei mit Abstand die gefährlichste Pflanze, sagt Biesenbach, aber Vorsicht ist auch bei anderem Gartenabfall angebracht. Ebenfalls giftig sind Oleander, Kirschlorbeer, Buchsbaum, Engelstrompeten sowie große Mengen an Brot und Backabfällen. Selbst der letzte Rasenschnitt kann zur tödlichen Falle werden, wenn er noch Dünger oder Klee enthält. Kirsten Wegner, Sprecherin im Umweltministerium, sagt: „Die Warnungen sind berechtigt, weitere Fälle sind uns aber nicht bekannt.“

 

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erstellt am 11.Okt.2013 | 00:31 Uhr

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