Edathy-Affäre: 21 Schleswig-Holsteiner kauften bei Kinderporno-Anbieter

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12. März 2014, 16:29 Uhr

Der Fall Edathy führt beim Landeskriminalamt in Kiel (LKA) zu Ermittlungserfolgen im Kampf gegen Kinderpornografie. Wie bereits berichtet, hat die Behörde Datensätzen des kanadischen Kinderporno-Anbieters „Azov“ nach Spuren zu Kunden im Norden ausgewertet. Das LKA hielt sich Mitte Februar mit weiteren Details zunächst sehr bedeckt. Ein Sprecher des Innenministeriums bestätigte nun: Bei 17 Schleswig-Holsteinern wurde eindeutig strafbares Material gefunden. Die Beamten ermittelten vier weitere Personen, deren Bestellungen in einem Graubereich liegen und damit nicht eindeutig strafbar sind.

Die Daten, in denen auch der Name des deutschen Politikers Sebastian Edathy auftauchte, wurden vom Bundeskriminalamt (BKA) an alle Landesbehörden weitergegeben. Das LKA Kiel leitete Ermittlungen ein und gab das Datenmaterial an die entsprechenden Dienststellen vor Ort. „Über den aktuellen Ermittlungsstand können wir derzeit keine Auskünfte erteilen“, sagte Pressesprecher Thomas Giebeler.


Zahl der Verfahren stieg um 59 Prozent


Nach Auskunft von LKA-Sprecher Stefan Jung erhält die Behörde rund 20 Mal im Jahr entsprechendes Datenmaterial aus dem Ausland. 2013 gab es in Schleswig-Holstein 202 Verfahren wegen dem Besitz von kinderpornografischem Material. Im Vergleich zum Vorjahr registrierten die Beamten hier 75 Fälle mehr – eine Steigerung um 59 Prozent. Auch 83 Verfahren wegen der Verbreitung von Kinderpornografie gab es im vergangenen Jahr. Hier erhöhte sich die Zahl der Fälle um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

An das Datenmaterial des kanadischen Versandhandels „Azov“ gelang das BKA nach einer Razzia der kanadischen Behörden im November 2011. Dass laut der Staatsanwaltschaft Hannover auch der SPD-Politiker Sebastian Edathy dort grenzwertiges Material bestellte, erschütterte das politische Berlin. Die Bundespolizei fandet aktuell europaweit nach dem verschwundenen und gestohlen gemeldeten Laptop Edathys und erhofft sich daraus weitere Erkenntnisse.

Unbestätigten Berichten zufolge soll sich Edathy derzeit in Dänemark aufhalten. In einem Interview mit dem Magazin „Spiegel“ sagte der Politiker, er habe zahlreiche Morddrohungen erhalten und könne deshalb nicht nach Berlin oder Niedersachsen zurückkehren.

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