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Düppel-Gedenken mit dem Blick nach vorn

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Abend im Plenarsaal des Landtags würdigt das deutsch-dänische Verhältnis – in Wort und Bild

shz.de von
erstellt am 19.Apr.2014 | 13:45 Uhr

Es war der schleswig-holsteinische Part zur Erinnerung an die Schlacht auf den Düppeler Schanzen 1864, dem größten Bruch zwischen Deutschen und Dänen in der neuzeitlichen Geschichte: „150 Jahre danach“ – so hatten die Kieler Hermann-Ehlers-Akademie, das Deutsche Rote Kreuz, die Itzehoer Versicherungen und der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (sh:z) eine Soirée im Plenarsaal des Landtags am Vorabend des Gedenktages am 18. April getauft. 240 geladene Gäste blickten dabei zurück und nach vorn – und stets über die Grenze.

Wie auch der Maler Christopher Lehmpfuhl, der auf eine Initiative aus dem Kreis der Veranstalter hin ein Gemälde zu dem runden Gedenktag geschaffen hat. Es wurde von Ministerpräsident Torsten Albig und dem dänischen Botschafter in Deutschland, Per Poulsen-Hansen, feierlich enthüllt. Der Künstler, der unter anderem für seine Bilder vom Abriss des Palastes der Republik in Berlin bekannt ist, guckt in seinem aktuellen Werk über die Reste des Pulverturms der Düppeler Schanze IV weit über die Ostsee bis zum deutschen Ufer der Flensburger Förde. Die bewegte Aura des Ortes kommt im ungestümen Auftrag der Farben zur Geltung. Und doch vermittelt das Motiv auch eine positive Ausstrahlung. „Ich wollte nach vorne schauen, der Blick steht für mich für Freiheit, Offenheit und Versöhnung“, erklärte der Künstler. „Ich möchte auf das Verbindende hinweisen.“

Für Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig ist dieses zusätzliche Stück Aufmerksamkeit für Düppel „wunderbar“ und mehr als angebracht. „Wenn wir ehrlich sind, ist das Gedenken an den Krieg von vor 150 Jahren in der deutschen Wahrnehmung unterentwickelt“, bekannte er. Angesichts zweier Weltkriege sei dies zwar erklärlich, aber zugleich ein Manko. Die Bedeutung sei hoch für Schleswig-Holstein, das dadurch den Weg zur preußischen Provinz eingeschlagen habe. Und ein Schritt zur deutschen Reichsgründung seien die Ereignisse 1864 obendrein. Vor allem aber sei Düppel „Ausdruck eines mehr als 100-jährigen Misstrauens zwischen Deutschen und Dänen“ gewesen, beklagte Albig. Umso größer die Freude und der Stolz über die Wende heute. Es herrsche in beiden Ländern Konsens darüber, dass die Minderheiten nicht am Rande, sondern in der Mitte stünden. „Vor uns liegt ein deutsch-dänisches Jahrzehnt“, sieht der Regierungschef eine immer engere Kooperation in allen Bereichen voraus. „150 Jahre nach Düppel scheint der Begriff Grenzland immer weniger die Wirklichkeit widerzuspiegeln“. Albig würdigte, dass die vier deutschen und dänischen Zeitungen beiderseits der Grenze, darunter die des sh:z, mit ihrer neuen Kooperation „für diese neue Normalität stehen“. Als „herausragend“ bezeichnete Albig eine 100-seitige zweisprachige Beilage, die das Medien-Quartett zum Düppel-Jubiläum produziert hat.

Dänemarks Botschafter Poulsen-Hansen betonte: „So traurig der Anlass des Düppel-Gedenkens – so wichtig ist der Fokus darauf, was seitdem geschehen ist“. Anderswo in der Welt werde die Überwindung deutsch-dänischer Feindseligkeiten „zu Recht als Vorbild empfunden“. Landtags-Direktor Utz Schliesky und der Vorstandssprecher des DRK Schleswig-Holstein, Torsten Geerdts, erinnerten daran, dass der Krieg in einem Punkt schon sehr kurzfristig eine positiv internationale Ausstrahlung entfaltet hat: Die ersten zwei Rotkreuz-Delegierten der Weltgeschichte waren auf beiden Seiten der Front vor Ort. Eine Folge davon: die erste Genfer Konvention zur Linderung des Leids von Kriegsverwundeten schon im August 1864.

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