Drogen: Zu oft verschwiegen

Froh, dass bei der Razzia nichts gefunden wurde: Schulleiterin Maren Schramm.pe
Froh, dass bei der Razzia nichts gefunden wurde: Schulleiterin Maren Schramm.pe

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10. Januar 2013, 01:14 Uhr

Elmshorn / Kiel | Es gibt sie überall - und natürlich auch an Schulen. Es ist leicht geworden, sich überall illegale Drogen zu besorgen. Doch obwohl viele Lehrer genau wissen, was auf ihren Schulhöfen passiert, spricht kaum jemand öffentlich über das Problem. "Die Schulen stehen häufig unter Druck, sie haben etwa mit Gewalt und Mobbing ganz viele Probleme, Drogen sind da nur ein Teil von", sagt Heike Kühl-Frese vom Zentrum für Prävention des Institituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein. Drogenprobleme würden oft erst offenkundig, wenn Schüler berauscht im Unterricht auftauchten oder Drogendeals entdeckt würden.

"Das ist bedauerlich", sagt Bernd Schauer, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Er begrüßt ausdrücklich Razzien wie sie jetzt in der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule in Elmshorn (Kreis Pinneberg) stattgefunden haben. Aber Schauer sagt auch: "Drogen sind leider Teil unserer Gesellschaft, ganz wird man das Problem auch mit den besten Präventionsmaßnahmen nicht aus den Schulen heraushalten können, die ja auch Teil der Gesellschaft sind." Allerdings sei es wichtig, offen mit dem Problem umzugehen.

Schweigen wollte Maren Schramm nicht. Die neue Schulleiterin der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule will mit allen Mitteln Marihuana und andere Rauschmittel aus ihrer Schule verbannen. Nachdem kurz vor den Weihnachtsferien auf dem Schulgelände Drogen gefunden wurden, hat Schramm eine Razzia veranlasst: Polizisten durchsuchten mit Spürhunden die Klassenzimmer. Nach der Aktion kann sie ein wenig aufatmen. "Es wurde nichts gefunden. Das freut mich." Schramm hofft auf einen Neuanfang. "Die Razzia sollte ein Signal an alle Schüler sein", so Schramm. Sie betonte aber auch: "Drogen sind an jeder Schule ein Problem." Und Schulrat Michael Doppke ergänzt: "Ich bin mir sicher, dass die Aktion eine Signalwirkung über die Schule hinaus hat. Sie zeigt: Man kann sich als Dealer oder Drogenkonsument nicht sicher an den Schulen fühlen." Gewerkschafter Schauer sagt: "Dabei sind auch die Eltern gefordert." Das sieht auch der Landeselternbeirat für Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein, Stefan Hirt, so. Bereits in der sechsten Klasse müsse es Drogenpräventionsprogramme geben.

So sieht das auch Heike Kühl-Frese. Es komme darauf an, Jugendliche in der Pubertät mit ihren Problemen ernst zu nehmen. Gerade Kinder ab 14 Jahren seien besonders anfällig für Drogen.

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