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Dreijährige verblutet – Mordkommission ermittelt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Hämatome, Leberriss: Kleines Mädchen stirbt in Wohnung in Hamburg-Mümmelmannsberg

shz.de von
erstellt am 19.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Der Fall lässt in Hamburg schlimmste Erinnerungen wach werden: Gestern Morgen ist in einer Wohnung in Billstedt ein dreijähriges Mädchen gestorben. Weil am Leichnam Hämatome sichtbar waren, schaltete sich die Mordkommission ein und nahm die Eltern (25 und 26 Jahre) vorläufig fest. Eine Eilsektion ergab am Abend, dass die Dreijährige nach einem Leberriss innerlich verblutet ist.

Wie in den Fällen der verhungerten Lara Mia und der an einer Überdosis Methadon gestorbenen Chantal befand sich auch die Familie der Dreijährigen seit Jahren in der Obhut des Jugendamtes. Das Mädchen und ein Geschwisterkind waren bereits bei diversen Pflegefamilien untergebracht, weil die Eltern überfordert waren. Erst seit 1. August dieses Jahres habe die Dreijährige wieder bei den Eltern in der Großsiedlung Mümmelmannsberg gelebt, sagte Andy Grote, Leiter des zuständigen Bezirksamtes Mitte. Das Jugendamt habe die Familie seither weiterhin eng begleitet, sagte Grote: „Der Umgang der Mutter mit ihrer Tochter war liebevoll.“ Der tragische Tod des kleinen Mädchens bestürze ihn sehr.

Grote berichtete von einem Vorfall vom Anfang dieses Jahres. Seinerzeit sei das Mädchen mit schweren Schädelverletzungen bei ihren damaligen Pflegeeltern entdeckt worden. Die Ursache sei offen geblieben. Der Bezirksamtsleiter: „Das Mädchen hatte immer Kontakt zu seinen leiblichen Eltern.“ Bei diesen habe auch das Sorgerecht gelegen.

Das Jugendamt des Bezirks stand in den vergangenen Jahren bereits dreimal wegen tragischer Todesfälle von Kindern im Mittelpunkt der Kritik. 2006 war die siebenjährige Jessica in Jenfeld verhungert, 2010 starb Lara Mia (neun Monate) stark unterernährt in Wilhelmsburg, Anfang 2012 die elfjährige Chantal ebenfalls in Wilhelmsburg.

Gestern Abend blieb zunächst unklar, ob die Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen die Mutter (26) und den Vater (25) des toten Mädchens beantragen würde. Den Eltern sei im Polizeipräsidium rechtliches Gehör angeboten worden, so Polizeisprecher Schöpflin.

Die Mutter hatte am Morgen selbst die Rettungskräfte gerufen. Der Notarzt konnte das noch lebende Kind jedoch nicht mehr retten; es starb in der Wohnung. Die Mutter erklärte, ihre Tochter sei gegen fünf Uhr vom Kinderzimmer zu ihr ins Wohnzimmer gelaufen und dabei gestürzt. Die Art der sichtbaren Verletzungen am Körper ließ die Ermittler an dieser Darstellung zweifeln. Die Staatsanwaltschaft ordnete eine Obduktion an. Andreas Schöpflin: „Nach einem ersten Untersuchungsergebnis ist das Mädchen infolge einer Ruptur der Leber nach innen verblutet.“ Zudem weise der Körper Verletzungen auf, „die durch körperliche Gewalteinwirkung entstanden sein könnten“.



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