Verzögerte Aufrüstung : Digitalfunk in SH – nicht so schnell wie die Feuerwehr

Die Umstellung auf Digitalfunk verzögert sich in einigen Landkreisen.
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Die Umstellung auf Digitalfunk verzögert sich in einigen Landkreisen.

In SH soll der Digitalfunk für die Feuerwehr flächendeckend eingeführt werden. Doch manche Kreise sind noch lange nicht so weit.

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16. Januar 2015, 19:55 Uhr

Kiel | Die Einführung des Digitalfunks bei Feuerwehr und Rettungsdiensten verschiebt sich um zwei Jahre. Das zeigen Planungsunterlagen des Innenministeriums und der kommunalen Landesverbände, die dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag vorliegen.

Hatte sich beispielsweise Neumünster auf die Einführung im Jahr 2016 vorbereitet und seinen Haushalt darauf abgestimmt, heißt das neue Datum nun: 2018. Analog gilt das für alle übrigen kreisfreien Städte und Kreise.

Von einer Verzögerung will Jörg Muhlack, Leiter der Polizeiabteilung im Innenministerium und Mitglied im „Lenkungsausschuss Digitalfunk“, allerdings nicht sprechen: „Die Zeiträume für die Einführung waren zuletzt 2012 abgestimmt worden, wir haben jetzt lediglich den Fahrplan angepasst.“

Fakt ist aber: Nicht alle Kreise und Städte sind gleich gut vorbereitet. Während Feuerwehr und Rettungsdienst in Kiel sofort ans Netz gehen könnten, ist der Kreis Rendsburg-Eckernförde mit seinen 200 Wehren noch nicht so weit. Und: Wie die Unterlagen belegen, fehlt den Planern der genaue Überblick über den Status quo in den Kommunen. Innenministerium, Städteverband, Landkreis- und Gemeindetag haben deshalb diese Woche in einem Schreiben „Klarheit über den aktuellen Stand“ gefordert. Landräte und Bürgermeister sind verpflichtet worden, bis zum 13. Februar einen Fragebogen auszufüllen.

Jörg Bülow vom Schleswig-Holsteinischen Gemeindetag: „Wir wollen zum Beispiel wissen, ob und wann die technische Anbindung an das neue Netz abgeschlossen ist, die Digitalfunk-Servicestellen für Ausgabe und Wartung eingerichtet sind.“

Der Fragenkatalog diene vor allem der Harmonisierung der Auslieferung, betont Bülow. Immerhin 19.250 Handfunkgeräte, rund 5350 Geräte für Fahrzeuge und etwa 600 ortsfeste Funkanlagen werden für Schleswig-Holstein benötigt. Hinzu kommt Zubehör wie Antennen, Sprechgarnituren und Schutztaschen. Alles wird in großen Sammelbestellungen angefordert, kann aber nicht auf einen Schlag geliefert werden. Bülow: „Deshalb müssen wir wissen, wer wann soweit ist, damit eine Reihenfolge festgelegt werden kann.“

Nach den aktuellen Planungen werden die Kreise Rendsburg-Eckernförde, Herzogtum Lauenburg und Plön die Schlusslichter sein: Erst 2019 soll dort der Digitalfunk kommen. „Die wirklichen Verzögerungen bei der neuen Technik gab es zwischen 1990 und 2005“, sagt Jörg Bülow. „Im Vergleich zum Gesamtprojekt Digitalfunk bewegen wir uns hier völlig im Rahmen.“ Unstrittig ist jedoch, dass eine Bieterrüge im Juli 2014 die Ausschreibung des Gebäudemanagements Schleswig-Holstein (GMSH) aus dem Zeitplan geworfen hat. Im September musste das Verfahren für die Funkgeräte wieder auf Anfang gesetzt werden. Bülow: „Wohl im Februar erfolgt nun der Zuschlag.“ Der Zuschlag für das Zubehör soll Ende Juni erteilt werden. Laut Bülow könnten die ersten Lieferungen dann im Herbst erfolgen.

Sie gehen nach Flensburg und in den Kreis Schleswig-Flensburg, die ursprünglich bereits seit 2013 digital funken sollten. Nach vorläufigen Schätzungen kosten die neuen Geräte rund 1500 Euro pro Stück, ein Drittel weniger als analoge Geräte. Durch die Sammelbestellung wurden sie günstiger. „Ein weiterer positiver Effekt ist, dass alle die gleiche Technik haben“, erklärt Bülow. „Das erleichtert etwa den Wechsel in eine andere Wehr.“

Bleibt die Frage, ob die Retter mit dem neuen Funk die gleichen Probleme haben werden wie die Polizei? „Nein“, sagt Jörg Muhlack von der Polizeiabteilung. „Das Digitalfunknetz steht jetzt, und es ist kein Problem, damit die bestellten Geräte zu betreiben.“

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