Die mit dem Tod hantieren

Vollschutzanzug gegen Todes-Viren: Doktorandin  Lisa Oestereich im Hochsicherheitslabor. dpa
Vollschutzanzug gegen Todes-Viren: Doktorandin Lisa Oestereich im Hochsicherheitslabor. dpa

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26. Januar 2013, 01:14 Uhr

Hamburg | Schon die Namen lassen erschaudern: Ebola, Lassa, Krim-Kongo, Marburg. Allesamt todbringende Viren, die in Afrika immer wieder verhängnisvolle Epidemien auslösen. Oft schon beflügelten die unheimlichen Erreger die Fantasie von Filmemachern und Autoren, wohl auch, weil deren verheerende Wirkungsweise noch ein Rätsel ist. "Wir wissen nicht, warum ein Mensch letztlich an Lassa oder Ebola stirbt", sagt Prof. Stephan Günther, Chef der Virologie des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin. Und er fügt hinzu: "Es gibt dagegen weder Medikamente noch Impfstoffe."

Das irgendwann zu ändern sehen er und seine Kollegen als Auftrag. Die Virologen analysieren hämorrhagische - also Blutungen auslösende - Fieberviren der höchsten Risikokategorie vier. Dafür steht im Tropeninstitut jetzt ein Hochsicherheitslabor zur Verfügung, wie es weltweit nur wenige gibt. Gestern gewährte das Institut Journalisten erstmals einen Einblick in die Hightech-Stätte.

Seit rund 100 Jahren thront der Backsteinbau des Tropeninstituts zwischen Reeperbahn und Elbufer über dem Hafen. Von außen nicht erkennbar, ist das BSL 4-Labor in einem modernen Anbau untergebracht.

Die zwei Laborräume mit zusammen 110 Quadratmetern sind denkbar hermetisch abgeschirmt. Mehrere Druckluftschleusen, Doppelt- und Dreifach-Luftfilterungen, Videoüberwachung, strenge Zugangskontrollen: Niemand soll auch nur ein einziges der hochansteckenden Mikroorganismen in die Außenwelt tragen können. Haben die Biologen ihre Schicht beendet, gehts noch im Schutzanzug duschen. Aus der Brause freilich fließt kein Wasser, sondern Per-Essigsäure, die jede Form organis cher Struktur abtötet. Mühsam schält sich Toni Rieger in seine Vollschutzmontur, die ihn zum Michelin-Männchen macht. Die Kunststoffhülle ist mit Luft aufgeblasen, der erzeugte Unterdruck verhindert, dass Viren nach außen gelangen. Auch der Kopf des 34-Jährigen ist umhüllt, seine Füße stecken in knallgelben Gummistiefeln. Kommunizieren kann Rieger jetzt nur noch über Headset und Sprechfunk.

Vorsichtig zieht der promovierte Biologe eine Schale mit Lassaviren aus dem minus 150 Grad kalten Kühlschrank und platziert sie unter dem Mikroskop. Prompt wird auf einem Bildschirm die Struktur des Erregers sichtbar. "Wir müssen besser verstehen, wie die Viren im menschlichen Körper überhaupt wirken", erklärt Chefvirologe Günther. Dazu kann das Ausgangsmaterial im neuen Labor erstmals auch genverändert werden.

Was ist das für ein Gefühl, ständig mit solch aggressiven Viren zu hantieren? "Angst habe ich keine, aber Respekt", sagt R ieger. "Mir ist bewusst, dass eine Ebola-Infektion zu 90 Prozent tödlich endet."

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