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Altmunition in der Kieler Förde : Die Minenräumer gehen erneut auf Tauchstation

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Auf dem Grund der Kieler Förde liegen Mülltonnen, Teppichrollen, Fahrräder – und Kriegsmunition. 31 Grundminen wurden jüngst unschädlich gemacht. Im April geht die Suche weiter.

Kiel | Rund 4000-mal schlug die Unterwasserdrohne Alarm: Im Verkehrstrennungsgebiet am Kieler Leuchtturm war der Roboter auf unbekannte Objekte gestoßen. Meist wurden Steine geortet, auch über Bord gegangene Mülltonnen und illegal verklappte Teppichrollen. Immerhin aber auch 80 Objekte, die nach Weltkriegsmunition aussahen. In etwa 40 Fällen hat sich dieser Verdacht erhärtet, als Taucher in den vergangenen Monaten die Fundstelle am Meeresboden in Augenschein nahmen.

Allein 31 heimtückische Grundminen – meist englischer Herkunft und mit einer Sprengmasse von 275 bis 425 Kilogramm – wurden unschädlich gemacht. Fünf von ihnen sind zwar entschärft, liegen allerdings noch im Schifffahrtsweg, der jährlich von rund 40.000 Fahrzeugen passiert wird. Sie sollen demnächst in das nahe gelegene Munitions-Versenkungsgebiet Kolberger Heide verschleppt werden. Dort liegen bereits rund 1800 größere Objekte wie Torpedos oder Minen, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs entsorgt wurden.

Ab April – wenn das Wasser wieder wärmer ist – wollen Experten von Marine und Kampfmittelräumdienst erneut aktiv werden; diesmal soll die Kiel-wärtige Hauptschifffahrtsroute am Leuchtturm per Sonar abgesucht werden, kündigte gestern Fregattenkapitän Fritz-Rüdiger Klocke in Kiel an. Diese Strecke wird von Schiffen benutzt, die den Nord-Ostsee-Kanal und den Kieler Innenhafen ansteuern. Aufgrund der vielen Funde auf der bislang untersuchten Route raus aus der Förde sei es notwendig, jetzt auch die Gegenrichtung auf gefährliche Weltkriegs-Hinterlassenschaften zu prüfen. Jürgen Kroll, Chef des Kampfmittelräumdienstes, geht bislang allerdings nicht davon aus, dass sie dort ähnlich viel Munition finden werden wie beim Großreinemachen im vergangenen Jahr.

„Die ganze Aktion hat etwa 1,2 Millionen Euro gekostet“, sagte Kroll. Die Hälfte des Geldes habe die Bereitstellung eines schalldämpfenden Blasenschleiers verschlungen. Er soll verhindern, dass Schweinswale durch Sprengungen erschreckt werden. Mit Erfolg wurden zuletzt auch so genannte Schneidladungen eingesetzt. Dabei wird der Zünder von der Sprengladung der Mine abgesprengt. 29-mal funktionierte diese günstigere Technik. Zweimal blieb den Bombenräumern nichts anderes übrig, als die komplette Mine kontrolliert hochgehen zu lassen.

Experten vermuten vor der deutschen Ostseeküste rund 300.000 Tonnen Munition aus dem Zweiten Weltkrieg, bis zu 1,3 Millionen Tonnen in der Nordsee. Der größte Teil davon liege in schleswig-holsteinischen Gewässern, sagte Kroll. „Wir laufen eigentlich immer nur hinterher und entschärfen dort, wo uns aktuelle Funde gemeldet werden.“ Da man das Problem mit den Bomben nicht beliebig lange aussitzen kann, fordert Kroll eine gesamtgesellschaftliche Herangehensweise. „Schleswig-Holstein ist damit vollständig überfordert“. Zunächst habe man nur das Gefahrenpotenzial am Leuchtturm im Blick.

Wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, wollen die Experten voraussichtlich den weiteren Verlauf des Fahrwassers bis hin zur Kanal-Schleuse Holtenau untersuchen. Zuvor müssen jedoch noch mehrere bekannte Sprengkörper in Brunsbüttel entschärft werden, die vier Meter unter der Wasserlinie liegen. Solche bösen Funde könnte es in Zukunft öfter geben, sofern moderne Systeme entwickelt werden, die auch durch das Sediment hindurch orten können.

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erstellt am 08.Jan.2014 | 00:31 Uhr

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